Tagesprophet #Samstag, 18. April

Wir lassen den Mainzer AufbruchsKongress nicht sanglos und klanglos verstreichen. Ein ‚Tagesprophet‘ an alle Teilnehmer*innen und Interessierte enthält jeweils einen Fragebogen, Geistlichen Impuls und ein Quiz. Auf dem ND-Blog veröffentlichen wir den täglichen Fragebogen.

Fragen zur Zeit: Elmar Sulk, Washington

Aus Übersee kommen die Antworten des vorletzten Fragebogens. Genauer gesagt aus Washington DC.

Hand auf‘s Herz: Erlebst du gerade die Zeit als Entschleunigung oder als puren Krisenstress? Was beschäftigt dich gerade?

Ich persönlich erlebe diese Zeit als eine Mischung aus beiden, eher aber als Entschleunigung, weil „home office“ zu einer anderen Form des Arbeitens führt – nicht der Takt der Metro bestimmt, wann ich anfange zu arbeiten, sondern meine Entscheidung, wann ich den laptop aufmache. Und nicht die Autos der rush hour wecken mich morgens in einem Washingtoner suburb, sondern die singenden Vögel. Zwar gibt es immer noch deadlines, und messbare Erfolge werden erwartet, aber insgesamt ist aus einem Neun-Stunden- ein 15-Stunden-Werktag geworden, mit manchen langen Pausen zwischendurch. Und sei es zum Kartenspiel mit der Familie, denn die Kinder (17 und 19) sind ja auch nicht in der Schule bzw. im College.

Hat das Corona-Virus dein Leben umgekrempelt?  

Umgekrempelt ist zuviel gesagt, aber gerade beruflich sehr verändert. Ich arbeite in den USA (Washington) im gesellschaftspolitischen Umfeld und bin auf Kontakte zum Kongress, zu den Ministerien, zu den Universitäten und think tanks angewiesen. Ausserdem bin ich in der Regel ja viel mit Besuchern aus Deutschland in den USA unterwegs. Diese Kontakte und Reisen finden nun überhaupt nicht statt. Das empfinde ich schon als starke Veränderung, genauso wie die fehlenden privaten Treffen mit Freunden zum Bier oder Pokern. Als Familie leben wir nun wieder auf absehbare Zeit (Juli? August?) unter einem Dach und sind froh, genug Platz zu haben.

Was ist derzeitig der schmerzlichste Verzicht?

Darüber habe ich lange nachgedacht, und antworte ganz im Ernst: Der Verlust meines wöchentlichen aktiven Fußballspiels, weil es Ausdruck des Normalseins ist. Normal ist momentan wenig. Nichts spontan machen zu können, alles muss geplant werden, das fällt mir auch schwer. Wann geht man einkaufen, hat man seine Gesichtsmaske dabei, wann ist die beste Zeit für Fahradfahren oder Joggen…

Was gibt dir Hoffnung? 

Die Achtsamkeit der vielen Leute, die um uns wohnen und denen man begegnet. Alle sind nach fünf Wochen Ausnahmezustand immer noch ruhig, sehr freundlich zueinander und verbreiten das Gefühl, dass wir alle gemeinsam mitmachen und die Regeln einhalten müssen. Diese Geduld hätte ich so nicht erwartet. Man kann auch mit mehr Leuten als vorher darüber sprechen, was sich in den USA ändern muss, von der Hilfe für die vielen Arbeitslosen bis hin zu einer endlich funktionierenden Gesundheitsversicherung für alle.

Wie kommst du durch die gottesdienstlose Zeit? 

Bibel und das Gotteslob liegen bereit. Die deutschsprachige Gemeinde in Washington trifft sich sonntags via Zoom zum Gottesdienst, das funktioniert erstaunlich gut mit einer konzentrierten Atmosphäre und dem Gefühl, dass wir als Gemeinde gemeinsam feiern.

Deine Lieblingsmusik?

Tja, was hat uns Bob Dylan in seinen Liedern zu sagen, reicht das als Antwort? In letzter Zeit höre ich sehr viel Bach, Wohltemperiertes Klavier rauf und runter und wieder rauf.

Hast Du einen Literaturtipp für uns?

Um die USA besser zu verstehen: Michelle Obama, Becoming. Aber das haben eh schon alle gelesen….

Was sollte man sich im Netz unbedingt anschauen?

Es gibt viele Angebote gerade musikalischer Art im Netz, die nun frei geschaltet sind. „unbedingt“ ist aber ein zu starkes Wort. Einfach mal stöbern, ist mein Ratschlag.

Was wird das Erste sein, was du nach der Corona-Krise größtem Vergnügen machst? 

Da bin ich selber drauf gespannt, was das größte Vergnügen bereiten wird. Aber zum Flughafen zu fahren und endlich meine Eltern wieder in Deutschland besuchen zu können, wird sicher dazu gehören.

Wenn das Corona-Schlamassel einigermaßen überwunden ist:  Welche Erkenntnis oder Lernerfahrungen sollte die Gesellschaft beherzigen?

Ich wiederhole das Wort: Achtsamkeit. Auch, weil dieses Corona-Schlamassel vielleicht nie mehr ganz überwunden wird.

Was muss dann in der Kirche anders geworden sein? 

Ach, die ganz großen Sachen müssen sich  ändern. Man kann ja die Zeit bis zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Virus nicht mit der Wünschbarkeit der Veränderung in der Kirche verknüpfen, aber ich mache es mal trotzdem: Innerhalb der nächsten 12-18 Monate manche Papstentscheidung zum Zugang zum Weiheamt und die Einberufung eines 3. Vatikanischen Konzils wären schon cool.

Was Du immer noch sagen wolltest ….

Ohne den ND fehlt etwas ganz Wichtiges auch in meinem Jahresablauf in den USA. Manchmal teilt man die Freude an einem Pfingsttreffen nur am Telefon mit einem Teilnehmer, auch das ist wichtig. Deshalb auf ein Wiedersehen oder Kennenlernen im nächsten Jahr in Mainz!

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