Tagesprophet #Mittwoch, 15. April

Wir lassen den Mainzer AufbruchsKongress nicht sanglos und klanglos verstreichen. Ein ‚Tagesprophet‘ an alle Teilnehmer*innen und Interessierte enthält jeweils einen Fragebogen, Geistlichen Impuls und ein Quiz. Auf dem ND-Blog veröffentlichen wir den täglichen Fragebogen. Wer den ‚tagespropheten‘ bekommen möchte: Einfach eine Mail an kongress@nd-netz.de

Fragen zur Zeit: Sophia Weische

Den nächsten Fragebogen hat Sophia Weische ausgefüllt. Zusammen mit Carlotta Hug leitet die gebürtige Kölnerin das Kinder- und Jugendprogramm. In Mainz, so viel darf vielleicht schon verraten werden, spielt es unter anderem über den Dächern der Stadt.

Hand auf‘s Herz: Erlebst du gerade die Zeit als Entschleunigung oder als puren Krisenstress? Was beschäftigt dich gerade?

Definitiv als Entschleunigung! Ich sehe tagtäglich wie die Menschen über sich hinauswachsen; wie kreative Lösungen gefunden werden; wie die Menschen sich gegenseitig helfen.

Ich erlebe die Krise als einen Ruhepol. Gesellschaftlich wollen wir „immer höher, immer schneller, immer weiter“. Diese Krise gibt uns die Möglichkeit einmal zu überlegen „wohin“ wir denn eigentlich wollen? Und warum „mehr“ immer besser sein soll? Ich denke, dass wir in unserer Gesellschaft mit Scheuklappen durch den Alltag gerannt sind, jetzt haben wir die Möglichkeit unsere Lebensweise einmal wirklich zu hinterfragen.

So schrecklich die Pandemie auch ist, sehe ich in ihr auch eine große Chance. Vieles könnte durch sie wieder gerade gerückt werden. Sie zeigt uns ja z.B. ganz deutlich welche Berufe wirklich die Säulen unserer Gesellschaft sind.  Und was für eine Diskrepanz zwischen „dem Wert der Arbeit“ und dem Gehalt liegt (nicht nur (aber auch) in der Pflege).

Worüber meiner Meinung nach viel zu wenig geredet wird, ist, wie wir solche Pandemien zukünftig verhindern können. Ich denke, gerade das Thema, wie wir mit der Umwelt und den Tieren umgehen, sollte intensiv besprochen werden. Dass Massentierhaltung solche Erreger geradezu züchtet, wird kaum thematisiert. Wissenschaftler waren schon lange davor. Und es ist ja auch nicht der erste Virus der so entstanden zu sein scheint (Stichwort Schweinegrippe / Vogelgrippe).

Bis jetzt gingen wir davon aus, dass es nicht möglich ist unsere Verhaltensweisen und Gewohnheiten radikal zu ändern. Die Corona-Krise beweist meiner Meinung nach das Gegenteil. Ich finde es wichtig, nach der Corona-Krise nicht wieder zu alten „Normalität“ zurückzukehren, sondern aus ihr zu lernen. 

Hat der Corona-Virus dein Leben umgekrempelt?

Natürlich hat er das. Aber ich halte das im generellen für nichts Schlechtes. Aber das Kontaktreduzieren halte ich auf Dauer doch für sehr ungesund. Digitaler Kontakt kann und sollte auch nicht den persönlichen ersetzen. Doch denke ich, dass ich trotz der Kontaktsperre vielen Leuten näher gekommen bin. Mein Verhältnis zu vielen hat sich verändert. Nach der Quarantäne kann ich sicherlich vieles besser wertschätzen.

Was ist derzeitig der schmerzlichste Verzicht?

Der körperliche Kontakt mit Freunden und Familie. Auch eine Umarmung zur Begrüßung oder Abschied zu verzichten und Abstand zu halten, finde ich sehr befremdlich. Auch Veranstaltungen vermisse ich sehr. Sei es der ND-Kongress, auf dem ich jetzt eigentlich wäre, oder die Konzerte und Feiern, die abgesagt worden sind. Auch das Osterfest ohne Familie, ohne Gottesdienst und ohne Osterfeuer zu feiern, ist eine Herausforderung. Umso mehr freue ich mich darauf, wenn all das wieder möglich ist.

Was gibt dir Hoffnung?

Hoffnung macht mir, wie die Menschen sich miteinander solidarisieren. Wie sie respektvoller und achtsamer in ihrem Umgang werden. Wie überall innovative Ideen und kreative Lösungen entstehen.

Wie kommst du durch die gottesdienstlose Zeit?

Im Großen und Ganzen ganz gut. Ich finde die Angebote, die es nun im Netz gibt super. So habe ich schon einig Taizé-Gebete live aus Taizé mitgefeiert. Trotzdem: Gerade eine Karwoche ohne Gottesdienste ist schon komisch. Mir persönlich hat die Osternacht sehr gefehlt. Oft ist es als Erwachsener nicht mehr so leicht, in eine festliche Stimmung zu kommen. Der Gottesdienst bringt mich stets in diese und gehört deswegen für mich zu Ostern dazu. Jedoch hatte es durchaus auch seine angenehmen Seiten den Ostergottesdienst bequem nach dem Aufwachen im Bett zu sehen.

Deine Lieblingsmusik? 

Die Ärzte.

Hast du einen Literaturtipp für uns?

Ich habe während der Quarantäne „Per Anhalter durch die Galaxis“ gelesen. Ein Klassiker, der mit intelligentem und skurrilem Humor einen zum Denken anregt.

Was sollte man sich im Netz unbedingt anschauen?

Zur Zeit gibt es viele kulturelle Angebote im Netz. Oft von den Künstlern selbst. Es lohnt sich nach Livekonzerten oder Lesungen zu gucken.

Was wird das Erste sein, was du nach der Corona-Krise größtem Vergnügen machst?

Vermutlich erstmal meine Familie besuchen und mich mit Freunden treffen. Dann werden einige Feiern nachgeholt, die leider erstmal ausfallen mussten.

Wenn das Corona-Schlamassel einigermaßen überwunden ist:  Welche Erkenntnis oder Lernerfahrungen sollte die Gesellschaft beherzigen?

Dass die Massentierhaltung, auch wenn es uns schwerfällt, unseren Fleischkonsum zu reduzieren, abgeschafft werden muss.

Die positiven Entwicklungen der Gesellschaft und das Solidaritätsgefühl beizubehalten.

Was muss dann in der Kirche anders geworden sein?

Die Kirche sollte die positiven Entwicklungen aufgreifen und die Menschen dabei unterstützen die Erkenntnisse der Krise umzusetzen und nicht wieder zu vergessen.

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