„Seid Hauptdarsteller der Veränderung“ – Impuls zum Gespräch der Generationen

Herzlich willkommen zum Nachtimpuls, den wir vom Ak ‚Gerechtigkeit & Globalisierung‘ vorbereitet haben. Unser Gedanke ist, die Generationen miteinander ins konstruktive Gespräch zu bringen. Wann denn, wenn nicht jetzt auf dem Jubiläumskongress. Dass dies ganz schön schwierig ist, dafür gibt es viele Beispiele aus der neudeutschen Bundesgeschichte. Aber hält sie auch Lernerfahrungen bereit.

Vielleicht habt Ihr die Eingangsmusik “ Zu Asche, zu Staub“ aus der Serie Babylon Berlin erkannt. Sie führt ins Berlin der ausgehenden zwanziger Jahre. Entführt uns mitten in die unruhige Weimarer Zeit, als die Jugendbewegung – erwachsen geworden – langsam zurückschwappt in die Städte, als die ND’er in der Hauptstadt sich ausdrücklich als „Großstadtjugend“ verstehen.

Und doch aufbrechen in das große Bundeszeltlager nach Oranienstein. Egal, ob die mondäne Metropole, oder die Lagerfeuer: Längst sind sie Asche. Staub – und doch ein Hauch Unendlichkeit.

Zeitsprung. Klar hinkt der folgende Vergleich. Fridays For Future wird gern als neue Jugendbewegung charakterisiert. Bisweilen sogar mit prophetischen Zügen und bischöflichen Segen. „Wir sind hier wir sind laut, weil – Achtung! – Ihr uns die Zukunft klaut.“ Der Aufkleber macht die Botschaft klar. „Werdet Erwachsen!“ Eine Aufforderung zur Veränderung an die Älteren.

„Aufbruchsgeist“ – Dieses Stichwort wollen wir in das Generationsgespräch einspielen. Dazu lesen wir Zitate aus dem Resümee von Papst Franziskus über Jugendsynode. „Christus vivit“ hat er sie überschrieben. Der Titel könnte die päpstliche Kurzformel von „Neue Lebensgestaltung in Christus“ sein, denken wir. Es ist eine Collage der franziskanischen Textsequenzen, zwischen ungestümer Jugendbewegung und quicklebendiger Altersweisheit.

(Sprecher/in 1)  „In der Weissagung des Joël finden wir eine Ankündigung, die uns erlaubt, dies auf sehr schöne Weise zu verstehen. Sie lautet: »Danach aber wird Folgendes geschehen: Ich werde meinen Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure Alten werden Träume haben und eure jungen Männer haben Visionen« (Joël 3,1; vgl. Apg 2,17).

Wenn die jungen Menschen und die älteren sich dem Heiligen Geist öffnen, so bringen sie gemeinsam eine wunderbare Verbindung hervor. Die älteren Menschen träumen und die jungen haben Visionen. Auf welche Weise ergänzen sich diese beiden Dinge?“

(Sprecher/in 2) „Vor einiger Zeit fragte mich ein Freund, was ich sehe, wenn ich an einen jungen Menschen denke. Meine Antwort war: … Über die Jungen zu sprechen, bedeutet, über Verheißungen zu sprechen, und es bedeutet, über die Freude zu sprechen. Die jungen Leute besitzen eine solch ungeheure Kraft, ihr Blick zeugt von einer solch großen Hoffnung. Ein junger Mensch ist eine Verheißung des Lebens, gepaart mit einer gewissen Beharrlichkeit; er ist verrückt genug, sich einer Illusion hinzugeben, und zugleich in der Lage, sich von den Enttäuschungen zu erholen, die daraus erwachsen können.

Die unzufriedene Unruhe, verbunden mit dem Staunen über das Neue, das sich am Horizont auftut, ruft in ihnen den Mut hervor, ihr Leben in die Hand zu nehmen und die Verantwortung für eine Mission zu übernehmen. Diese gesunde Unruhe, die gerade in der Jugend erwacht, bleibt charakteristisch für jedes Herz, das sich jung, verfügbar und offen hält. Wahre innere Ruhe koexistiert mit dieser tiefen Unzufriedenheit. Der heilige Augustinus sagte: »Herr, du hast uns auf dich hin geschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir.«“

(Sprecher/in 1)  „Die älteren Menschen haben von Erinnerungen, von den Bildern vieler erlebter Dinge durchwirkte Träume, die von der Erfahrung und den Jahren gekennzeichnet sind. Wenn die jungen Menschen sich in den Träumen der älteren festmachen, wird es ihnen gelingen, die Zukunft zu sehen, und können sie Visionen haben, die den Horizont öffnen und ihnen neue Wege zeigen. Wenn aber die älteren Menschen nicht träumen, können die jungen nicht mehr klar den Horizont sehen.

Deshalb ist es gut, die älteren Menschen lang erzählen zu lassen, auch wenn sie zuweilen mythologisch, phantasievoll scheinen, – es sind Träume von Senioren –, aber oftmals sind sie voll von wertvoller Erfahrung, von aussagekräftigen Zeichen, von versteckten Botschaften. Diese Erzählungen erfordern Zeit und dass wir uns einfach so darauf einrichten, mit Geduld zuzuhören und zu interpretieren, weil sie länger sind als das gewohnte Format einer Nachricht in den sozialen Netzwerken. Wir müssen akzeptieren, dass die ganze Weisheit, derer wir für das Leben bedürfen, nicht innerhalb der Grenzen eingeschlossen sein kann, die von den gegenwärtigen Kommunikationsmöglichkeiten auferlegt werden.“

(Sprecher/in 2) „Wir müssen an dem Weg der Träume festhalten. Deshalb sollen wir uns vor einer Versuchung in Acht nehmen, die uns oft einen Streich spielt: die Angst. Sie kann zu einem großen Feind werden, wenn sie uns dazu bringt, aufzugeben, wenn wir erleben, dass die Ergebnisse nicht sofort erreicht werden. Die schönsten Träume erkämpft man mit Hoffnung, Geduld, Einsatz und Verzicht auf Eile.

Zugleich darf man sich nicht von der Unsicherheit blockieren lassen; man sollte keine Furcht haben, etwas aufs Spiel zu setzen und Fehler zu machen. Eher müssen wir Angst haben, wie gelähmt zu leben, wie lebendige Tote, die zu leblosen Individuen wurden, weil sie kein Risiko eingehen wollen, weil sie sich nicht für ihre Belange einsetzen oder weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen. Selbst wenn du einen Fehler machst, kannst du immer wieder aufstehen und neu anfangen. Niemand hat das Recht, dir die Hoffnung zu rauben.“

(Sprecher/in 1) „Andererseits muss auch ein Erwachsener reifen, ohne dabei die Werte der Jugend aufzugeben. Tatsächlich ist jeder Lebensabschnitt eine fortdauernde Gnade und besitzt einen Wert, der nicht vergehen soll. Eine gut gelebte Jugendzeit bleibt als innere Erfahrung gegenwärtig. Im Erwachsenenleben wird diese dann weiter verarbeitet, vertieft und fortgeführt und zeigt ihre Früchte.

Während es für den jungen Menschen charakteristisch ist, sich vom Unendlichen angezogen zu fühlen, das sich eröffnet und beginnt, ist es eine Gefahr des Erwachsenenlebens mit seinen Absicherungen und Annehmlichkeiten, diesen Horizont immer mehr einzugrenzen und den der Jugendzeit eigenen Wert zu vergessen. Es sollte das Gegenteil geschehen: reifen, wachsen und das eigene Leben ordnen, ohne diese Begeisterung zu verlieren, diese Offenheit, diese Faszination für eine Wirklichkeit, die immer mehr ist. In jedem Augenblick des Lebens werden wir unsere Jugend erneuern und vermehren können.“

(Sprecher/in 2) „Liebe junge Menschen, verzichtet nicht auf das Beste an eurer Jugend, beobachtet das Leben nicht von einem Balkon aus. Verwechselt das Glück nicht mit einem Sofa und verbringt nicht euer ganzes Leben vor einem Bildschirm. Gebt auch nicht das traurige Spektakel eines verlassenen Fahrzeugs. Seid nicht wie abgestellte Autos, lasst lieber eure Träume aufblühen und trefft Entscheidungen. Setzt etwas aufs Spiel, auch wenn ihr Fehler machen werdet. Seid nicht bloße Überlebende mit einer narkotisierten Seele und schaut nicht die Welt an, als ob ihr Touristen wärt. Lasst von euch hören! Werft die Ängste, die euch lähmen, über Bord, damit ihr euch nicht in jugendliche Mumien verwandelt. Lebt! Widmet euch dem Besten des Lebens! Öffnet die Käfigtür und fliegt hinaus! Geht bitte nicht schon vorzeitig in den Ruhestand.

Ich will dich zu diesem Engagement ermutigen, weil ich weiß: »Dein Herz, junges Herz, will eine bessere Welt aufbauen. Ich verfolge die Nachrichten der Welt und sehe, dass viele Jugendliche in vielen Teilen der Welt auf die Straßen hinausgegangen sind, um ihrem Wunsch nach einer gerechteren und brüderlicheren Gesellschaft Ausdruck zu verleihen. Die jungen Menschen auf den Straßen. Es sind junge Menschen, welche die Protagonisten, die Hauptdarsteller der Veränderung sein wollen. Ich bitte euch, lasst nicht zu, dass andere die Hauptdarsteller der Veränderung sind! Ihr seid die, denen die Zukunft gehört! Durch euch tritt die Zukunft in die Welt ein. Ich bitte euch auch, die Hauptdarsteller dieser Veränderung zu sein.“

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