#komplettvernetzt – der Auftakt in Münster

Der westfälische Mittagsfrieden hat sich über die Werkwoche im Münsteraner Franz-Hitze-Haus gelegt. Leise klingen Bandprobenstückchen und ein Kinderchor durchs Haus. Bisweilen ein  Papierrascheln aus der qualitätsvollen Zeitungsecke. Beobachtungen nach den ersten 24 Stunden.

‚#komplettvernetzt‘ lautet das diesjährige Thema. Den Sprung mitten ins Digitale meisterten die genau 101 Bundesgeschwister souverän.  Kategorien beim „find someone“ waren bereits anspruchsvoll digitalisiert:  Wer hat kein Weihnachtsgeschenk beim Online-Händlern geordert, Wer telefoniert mit einem fairphone? Wer schneidet Filme mit dem Tablet? Wer nutzt eine Smartwatch?  Neben Fragen für die Warth/Willi-Fraktion: Wer hat schon mal eine Kuh geküsst oder spielt kein Musik-Instrument oder besitzt ein Elektromobil? Ein großes Tohuwabohu, aber dem Kennenlernen höchst förderlich.

Aber dies nur als Warming up. Acht im Raum stehende Laptops animieren zu Tischgesprächen. In knackigen Einspielfilmen geht es um Datensicherheit, digitales Lernen, familiäre Kommunikation und eine Vision von Qualityland. Viel zu kurz scheint die Zeit in den Murmelgruppen.  Die Abwägung zwischen gesellschaftlichen Chancen und Risiken tendiert in Richtung medienkompetenter und Datenschutz-bewusster Nutzung.

Witziger weise stellt sich bei der Reflexion über das digitale Kommunizieren aber auch heraus, wenn persönliche Briefe verfasst werden, dann aber mindestens mit dem Füllfederhalter. Das schlägt jede Weihnachtsbotschaftsmail.

Szenen- und Methodenwechsel.  Robert Stein, der Impulsgeber, entpuppt sich als eloquenter Aufschlüsseler der digitalen Megatrends (Foto). Über die Liste der Piratenpartei wurde er in den letzten NRW-Landtag gewählt, wechselte zur CDU und leitet heute die AG Digitales der  Mittelstandsvereinigung. Die Politik hinke hinter den digitalen Entwicklungen hinterher, sei aber gefordert, Rahmen zu setzen.

Die Diskussion setzte bei Twitter an, an dem Stein allgemeinverständlich die Struktur sozialer Medien erläuterte.  Analysen belegten laut Stein, dass in Deutschland 20 % aller politischen Twitter-Nachrichten Fehlinformationen enthalten. Den Twitterverbot-Versuch des neuen Bundestagspräsidenten für Abgeordnete beurteilte er übrigens kontraproduktiv, wobei mehrere aus dem Publikum Schäubles Initiative begrüßten.

Großen Raum nahmen „Fakenews“ am Vormittag ein. Ein Phänomen, das Stein einerseits im amerikanischen Politikbetrieb verortete,  aber auch russischen Kampagnen sowie eine Masche der AfD. Vieles sei bewusst gelogen, um Einfluss und politische Macht zu erlangen, befinde irgendwie gerade noch auf Boden der Meinungsfreiheit.  Er kritisierte die Strategie, etablierte Medien herabzusetzen, um die Meinungsdeutungshoheit  zu gewinnen.

Steins Gegenrezept: Primärquellen checken  und mit weiteren Quellen abzusichern. Gesunder Menschenverstand helfe Plausibilität zu überprüfen. Aber Stein zitierte positive Gegenbeispiele. So habe in NRW eine Internetkampagne verhindert, dass das Sozialticket abgeschafft wurde.

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