Schweigen herrschte wirklich lang genug

In einem hörenswerten Interview mit dem Deutschlandfunk erklärte letzte Woche Lisa Kötter: „Gefährlich macht uns, glaube ich, dass wir keine Vereinigung von Theologen sind, die darüber diskutieren, wie viele Engel auf die Kirchenspitze passen, sondern dass die Bewegung Maria 2.0 tatsächlich aus der Mitte der Gemeinden kam. Das sind Frauen, die jahrzehntelang teilweise ihre Dienste in der Kirche ehrenamtlich versehen haben, wir haben zwar auch Theologinnen, viele studierte Frauen, in der Bewegung. Aber im Grunde sprechen wir mit der Stimme derer, die sich einfach auf das Evangelium berufen und diese ganzen Machtspielchen nicht mitmachen.“

„Schweigen war gestern“, hat Lisa Kötter ihr Buch überschrieben, das am 1. März erscheint und aus dem sie beim Frauenkonklave zu Beginn des AufbruchKongresses gelesen hat. Die freischaffende Malerin aus Münster und in der Gemeinde Heilig Kreuz eine „ganz normale Kirchgängerin“ gehört zum Gründungskern von Maria 2.0. 

Tausende von Frauen in der ganzen Republik schlossen sich, ihr erinnert euch, im Mai 2019 der Idee eines Kirchenstreiks an. Frauen zogen aus der Kirche aus und feierten Gottesdienste außerhalb der Kirchen. Aus einem Lesekreis entstand eine Graswurzelbewegung, die inzwischen unter Beobachtung der Römischen Glaubenskongregation steht. Laut FAZ nach einer Anzeige aus Köln.

Und jetzt „Thesenanschläge“ von Maria 2.0 quer durch die Republik. Auch an unseren Kirchentüren. Natürlich steht sofort der Vorwurf im Raum: Maria 2.0 lege es auf eine Spaltung der katholischen Kirche an. Wie damals in Wittenberg. Besonders übel gesinnte Kritiker schieben flugs die Aufforderung nach: Dann geht doch zu den Protestanten!

Erstens: Die sieben Thesen der Frauen sind nicht von den 95 Thesen Anno 1517 abgeschrieben, sondern sind „Zeichen der Zeit“ und verstehen sich als Weckruf für die Bischofskonferenz. Vielleicht erinnern sich noch einige an die Bischofskonferenz 2019 in Lingen. Im Zuge der Kampagne „Macht Licht An!“ hatte die kfd beinahe 30.000 Unterschriften gesammelt und manche Bischöfe fuhren süffisant lächelnd vorbei. Einige Mitbrüder im Bischofsamt thematisieren offensiv die, wie sie es nennen, „Frauenfrage“. Das Desaster mit dem Kölner Gutachten im Giftschrank und der „Reue-Simulation mit Tradition“ (Christiane Florin) war noch nicht passiert. 

Zweitens: Lassen wir uns nicht wir vom Streit über Kampagnenmechanik ablenken. Sondern sprechen wir ehrlich über das Ende der Frauendiskriminierung in der Kirche, die unser aller Glaubenszeugnis verdunkelt. Das Schlusswort hat Lisa Kötter: „Wenn die katholische Kirche da etwas ändern würde und den Frauen wirklich auf Augenhöhe begegnet – im Sinne von gleiche Würde, gleiche Rechte –, würde sich für die Frauen und Kinder der Welt unglaublich viel verändern.“

Joe Menze, für die IMPULSE

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.