Radfahrerin auf dem Deich, vom Lenker baumelt eine Tasche mit Fuchsbild, am blauen Himmel weiße Wolkentupfer

Aufbruch?

AufbruchsGedanken von Conny Hecke

Die Bitte, ein paar Gedanken zum Thema „Aufbruch“ zu formulieren, hat mich ziemlich beschäftigt! Aufbruch? Wo ich doch ein Jahr vor der Pensionierung stehe und alles eher auf „Abbruch“ gepolt ist? Und das nicht nur beruflich, nein, auch der Körper signalisiert zunehmend eine Art Abbruchsstimmung.

Wobei ich diese Gefühlslage mit Sicherheit nicht negativ als „Endzeitstimmung“ empfinde, sondern eher als Aussicht auf ein ruhiges Ausklingen des Berufsalltags, auf ein sanftes Hinausgleiten aus den jahrelangen Gewohnheiten, Abläufen und Ritualen, auf einen runden, erfüllten Abschied und eine Vorfreude auf Runterfahren, Langsamkeit und Muße.

Da „stört“ erstmal das Wort „Aufbruch“. Es schreckt hoch, irritiert, beunruhigt und fordert heraus. Denke ich erst noch etwas sarkastisch: „Aufbruch in den Ruhestand“, merke ich bald: Das kann nicht alles sein! Meine Ansprüche an mich selber sind mehr, sind höher – der Einsatz für Andere, für Gerechtigkeit, für gute Lebensbedingungen auf unserer Welt – das hört doch nicht auf mit dem Beginn des Ruhestands! Fragen drängen sich auf: Wo kann ich noch neu aufbrechen, oder besser: Wohin kann ich neu aufbrechen? Oder auch: Was kann ich neu aufbrechen? Wo entwickeln sich neu freiwerdende Kräfte zu einem Aufbruch? Auf-brechen, öffnen: Wo öffnen sich neue Perspektiven, um verkrustete Strukturen auf-zu-machen? Und: Was öffnet sich mir???

Natürlich kommt mir bei diesen Gedanken das oft bei ND-Veranstaltungen (Wohldenberg!) gesungene Lied „Steh auf, bewege dich!“ mit seiner zweiten Strophe in den Sinn:

Brich auf, bewege dich! 
Denn schon ein erster Schritt 
verändert dich, verändert mich. 
Brich auf, bewege dich!

Ja, das passt! Ich muss mich bewegen, ich darf nicht stehen bleiben, nicht starr werden, körperlich nicht und geistig nicht, auch nicht zum Beginn des Ruhestands. Und schon ein erster Schritt reicht! Was für eine Entlastung! Der Anspruch zum Aufbruch ist erstmal gar nicht so hoch. Das macht mich frei zum Aufbrechen.

Und so werde ich ganz behutsam meinen persönlichen Aufbruch beginnen, wenn die alten Gewohnheiten im nächsten Jahr beendet sind. So ist eine Perspektive da, die neugierig macht, aber nicht gleich überfordert. Ich bin gespannt, in welchen Aufbruch mich mein erster Schritt führt.

Cornelia Hecke

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