„Aufbrechen und ins Horn stoßen“

AufbruchsGedanken von Werner Reckert

Das Thema „Aufbruch“ und ein neues Format prägen den ND Kongress in diesem Jahr. Um einen persönlichen Aufbruchsgedanken gebeten, schreibe ich gerne ein paar Zeilen. Aufbruch – wohin oder wozu?

Da kam mir der Spruch in den Sinn: „Lasset uns aufbrechen und ins Horn stoßen“. Dieses Leitmotiv findet sich in der Bibel in den Büchern des Alten Testaments, z. B. bei Josua 6.1 ff. Die Israeliten brechen auf, ziehen um die Mauern der Stadt Jericho und bringen mit dem Blasen der Hörner und Kriegsgeschrei die Mauern der Stadt zum Einsturz, so wie Ihnen verheißen wurde.

Ein weiteres Motiv: Moses macht sich mit den Israeliten auf den Weg und bricht in das verheißene Land auf.

Wenn wir heute aufbrechen, müssen wir Mauern eher im übertragenen Sinne zum Einsturz bringen, im Sinne von Wandel oder Veränderung, und die Überlegung, „welche denn“ und „was soll stehen bleiben“, gehört für mich dazu. Zu jedem Aufbruch, zu jeder Veränderung stellen sich Fragen neben dem was und wozu, aber ebenso, was bleiben soll, auf was verstärkt ein Augenmerk gelegt werden muss, weil sonst etwas weg bricht.

Ein Thema, das mich seit längerer Zeit beschäftigt, heißt Respekt, und die Brücke zum biblischen Text ist, dass mir da schon zu viele Mauern eingerissen sind, sich die Gesellschaft und wir Einzelnen uns auf den Weg machen müssen, zu mehr Respekt im Umgang miteinander zurückzukehren.

Zeichen von Respektlosigkeit finden sich allerorten: Da werden Polizisten angespuckt, Rettungskräfte beim Einsatz behindert oder gar angegriffen. Bei der mutwilligen Beschädigung von öffentlichem Eigentum wird einfach weggeschaut und was sich in den (un-)sozialen Netzwerken an Respektlosigkeit im Umgang miteinander findet, möchte ich gar nicht alles aufführen. Die Begleiterscheinungen der Proteste gegen die gegenwärtigen Pandemieschutzmaßnahmen zeigen diese Respektlosigkeit vor anderen Menschen nochmals wie unter einem Brennglas.

Aufbruch wozu heißt für den ND als Verband, den Finger in solche Wunden zu legen und Dinge öffentlich zu machen, bedeutet aber auch, einen respektvollen Umgang untereinander zu pflegen. Das betrifft z. B. die Streitkultur, die auch im ND und unter den Bundesgeschwistern nicht immer von Respekt gekennzeichnet war und ist.

Aufbruch bedeutet aber auch für jeden in der Gemeinschaft, für sich selbst zu reflektieren, wie es um den persönlichen Umgang mit dem Thema Respekt steht.  Wenn ich Respekt für mich einfordere, bedeutet dies zuerst anderen Respekt zu erweisen. Sich auf den Weg machen heißt, hierbei sich selbst Fragen zu stellen, Antworten zu finden und zu handeln wie z. B.:

Wie halte ich es selbst mit dem respektvollen Umgang mit anderen, vor allem, wenn sie nicht meiner Meinung sind?

Was sage/ schreibe/ denke ich über andere, die mir auf die Nerven gehen?

Wie steht es mit meiner Zivilcourage – schaue ich einfach weg, wenn jemand im Zug oder Bus einen anderen Menschen anpöbelt oder öffentliches Eigentum beschädigt? Bringe ich den Mut auf, einzuschreiten?

Wie halte ich es mit meinem Recht auf freie Selbstbestimmung und sind mir auch dessen Grenzen klar? Bin ich bereit, selbst diese Grenzen einzuhalten und auch dafür einzutreten?

Schreiben und Reden ist viel leichter als Handeln. Als Schreiber dieser Zeilen gebe ich gerne zu, dass das notwendige Handeln auch mir (manchmal) schwer fällt, aber dieser Aufbruch zu mehr Respekt ist notwendig, damit unsere Gesellschaft nicht noch weiter auseinander driftet. Machen wir uns also auf den Weg!

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