{"id":835,"date":"2018-07-27T17:30:16","date_gmt":"2018-07-27T15:30:16","guid":{"rendered":"http:\/\/nd-blog.de\/?p=835"},"modified":"2018-07-27T17:30:16","modified_gmt":"2018-07-27T15:30:16","slug":"eine-angenehm-selbstbewusste-einmischung-in-die-gesellschaft-drei-fragen-an-ottmar-john-zum-nd-kongress-in-dresden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nd-blog.de\/?p=835","title":{"rendered":"&#8222;Eine angenehm selbstbewusste Einmischung in die Gesellschaft&#8220; &#8211; Drei Fragen an Ottmar John zum ND-Kongress in Dresden"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><strong><em>Ein Vierteljahr nach dem Kongress in Dresden. Welche pers\u00f6nliche Bilanz ziehst Du aus den Ostertagen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ottmar John: Vorbereitung und Durchf\u00fchrung des Kongresses war ein \u00fcberaus bereichernde und horizonterweiternde Erfahrung. Ich bin vielen Menschen begegnet, die ich nicht kannte, und habe von Ihnen viel gelernt, \u00fcber Dresden, \u00fcber Sachsen und \u00fcber das Ringen seiner B\u00fcrger und Christen um das friedliche Zusammenleben der Menschen in einer gerechten Gesellschaft, die Heimat f\u00fcr alle wird. Seit unserem Kongress <!--more-->ist Dresden f\u00fcr mich nicht mehr die Stadt von Pegida, sondern die Stadt, in der eine gro\u00dfe Anzahl von Initiativen f\u00fcr den Zusammenhalt der offenen Gesellschaft k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Bereichernd und ber\u00fchrend war die Offenheit, mit der wir von diesen Initiativen bis hin zur Katholischen Akademie empfangen wurden. Ich hatte bei unseren Vorbereitungstreffen in Dresden immer wieder den Eindruck: Wir sind erwartet worden. Ein Pfarrer sagte es ausdr\u00fccklich: Gruppen wie den ND brauchen wir hier.<\/p>\n<p>Und ich habe diese Erfahrung nicht allein gemacht. Es war eine Erfahrung unsere Verbandes mit seinen Anliegen und Optionen. R\u00fcckblickend kann man sagen, dass die Ausstellung von Justitia et Pax mit dem gro\u00dfen Wort \u201eVers\u00f6hnung\u201c, das w\u00e4hrend des ganzen Kongresses vor der Frauenkirche zu lesen war, immer mehr zu einem b\u00fcndigen Ausdruck des Grundanliegens des ND wurde. Der ND hat die Erfahrung gemacht: Unsere Engagements, unsere Hoffnungen und die gesellschaftliche und politische Praxis unseres Glaubens werden gebraucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Welche Ergebnisse ergaben sich aus der Reflexion des Kongresses? Am Samstag wurden Reflexionsb\u00f6gen verteilt und die Programmkommission traf sich w\u00e4hrend des Katholikentages in M\u00fcnster zur Auswertung. \u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Presseresonanz war in Dresden sehr viel gr\u00f6\u00dfer als bei anderen Kongressen. Ein gro\u00dfer Artikel im Tag des Herrn, der Kirchenzeitung der ostdeutschen Di\u00f6zesen brachte unser Zielsetzung, die wir bei Vorbereitung und Durchf\u00fchrung des Kongresses verfolgten, gut auf \u00a0den Punkt: \u201e\u2026dass Verb\u00e4nde wie der Bund Neudeutschland sich hier pr\u00e4sentieren, ist wohltuend und hilfreich. Vordergr\u00fcndig waren nicht die Verbandsstrukturen wahrnehmbar, sondern eine angenehm selbstbewusste Einmischung in die Gesellschaft. Das, was Frank Richter sonst in der Kirche oft noch unterbelichtet sieht, hat der Bund Neudeutschland in der Osterwoche in Dresden gelebt. Er war als christliche Stimme f\u00fcr Menschen vernehmlich und verst\u00e4ndlich, die Anerkennung, Wertsch\u00e4tzung und Zusammengeh\u00f6rigkeit vermissen.\u201c<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #800080;\">After-Work-Schiene und Abendveranstaltung wurden zu 99% positiv bis begeistert bewerten<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">In den ersten Wochen nach dem Kongress kamen eine Reihe von sehr euphorischen und begeisterten Dankmails an die Programmkommission. Die Auswertung der Reflexionsb\u00f6gen hatte ein wichtiges Ergebnis f\u00fcr ein zuk\u00fcnftiges Kongresskonzept: Die \u201eafter-work-Schiene\u201c und die offenen Abendveranstaltungen wurden zu 99 Prozent positiv bis begeistert bewertet. Auch die Konstruktion des Programms, die davon ausgeht, dass nicht jeder jede Veranstaltung mitmachen kann, ist angenommen worden &#8211; auch wenn von einigen bedauert worden ist, dass sie sich zwischen zwei als superinteressant eingesch\u00e4tzten Veranstaltungen h\u00e4tten entscheiden m\u00fcssen. Das Kongressformat, seit einigen Jahren praktiziert, scheint sich durchgesetzt zu haben. Es ist ein typisch postmodernes Format, das eine gro\u00dfe F\u00fclle von verschiedenen Einzelveranstaltungen Raum gibt und Wahlm\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet, ja manchmal auch Entscheidungen erzwingt.<\/p>\n<p>Erfreulicherweise gab es auf den Reflexionsb\u00f6gen eine ganze Reihe von inhaltlichen R\u00fcckmeldungen. Kongressteilnehmer nutzten die B\u00f6gen, um zu dem ein oder anderen Referenten inhaltlich Stellung zu beziehen.<\/p>\n<p>Eine Reihe von externen Impulsgebern und Referenten lobten die kompetente und hochengagierte Beteiligung der Kongressteilnehmer an ihren Veranstaltungen.<\/p>\n<p>Eine sehr ausf\u00fchrliche R\u00fcckmeldung widmete sich der eigent\u00fcmlichen Mischung aus \u201eKlassentreffen\u201c von Freunden, die sich lange kennen und aus allen Teilen der Republik zum Kongress zusammen kommen und Pr\u00e4senz, Spiritualit\u00e4t und politischem Engagement. Das habe er so noch nie erlebt und sei m\u00f6glicherweise ein Alleinstellungsmerkmal des ND, ein Potenzial der katholischen Kirche, das weiter entwickelt werden sollte.<\/p>\n<p>Spannend war die Kooperation zwischen einer weitgehend ehrenamtlich arbeitenden Programmkommission mit professionellen Akteuren. Im Aufeinandertreffen von verschieden Kulturen sitzt viel Power, aber es bleibt auch eine Aufgabe, in solchen Kooperationen das eigene Ende fest zu halten \u2013 soll Kooperation mehr sein als blo\u00dfe Zuwendung von Sachmitteln. Das wurde vor allem bei der Abschlussbesprechung w\u00e4hrend des Katholikentages in M\u00fcnster deutlich.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns auch der Realit\u00e4t stellen, dass die Beteiligung der Zielgruppe unseres Zukunftskonzeptes, Menschen zwischen 35 und 55, hinter unseren Zielen zur\u00fcckblieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Was ist der Dresdener \u00dcbertrag auf den Jubil\u00e4umskongress in K\u00f6ln und die folgenden ND-Kongresse?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich bin der \u00dcberzeugung, dass der Kongress in Dresden, wie schon einige Kongresse zuvor, den Transformationsprozess des ND voran gebracht hat. Der ND muss sich ver\u00e4ndern, um seinem Ursprung und seiner Geschichte treu zu bleiben. Er muss sich einmischen und an relevanten Debatten beteiligen. Er muss sich antreffbar machen. Wir m\u00fcssen unsere Anliegen und Optionen wortw\u00f6rtlich auf den Marktpl\u00e4tzen, aber auch in den Universit\u00e4ten, den Schulen und den Museen kommunizieren.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #800080;\"><strong>Zuk\u00fcnftige Kongresse m\u00fcssen den Aufbruch in die Urbanit\u00e4t sehr konkret vollziehen<\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Nur so kann unser Verband von Menschen bemerkt werden. Das geschieht beispielhaft in einer Kongresswoche in einer Stadt. Das geschieht in einem offenen Programm. Und das geschieht durch Kooperationen mit anderen Verb\u00e4nden und Einrichtungen, die \u00e4hnliche Intentionen haben wie wir.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich meine, dass zuk\u00fcnftige Kongresse diesen \u201eAufbruch in die Urbanit\u00e4t\u201c sehr konkret vollziehen m\u00fcssen. Urbanit\u00e4t ist ja nicht nur die bauliche Realit\u00e4t der Stadt, sondern umfasst Haltungen, Lebensgef\u00fchle, neue Kommunikationsformen und vieles mehr. Damit liefern die Kongresse thematische Anregungen f\u00fcr die Aktivit\u00e4ten auf der Ebene der Regionen und Gruppen. Ziel ist, neue Pr\u00e4senzen des ND in urbane Zentren anzusto\u00dfen. Damit erfolgreich zu sein ist keine Bedingung f\u00fcr den Sinn der Kongresse, aber es muss ein Ziel bleiben, sondern sind die Kongresse f\u00fcr den Aufbruch des ND bedeutungslos. Kongresse sollten eine katalytische Funktion f\u00fcr die Erneuerung des ND und eigene Akzente in der Verwirklichung des Entwicklungsprozesses setzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><em>Ottmar John, Ibbenb\u00fcren, ist Leiter der Programmkommission und als Mitglied der ND-Bundesleitung\u00a0 f\u00fcr die Kongresse.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Vierteljahr nach dem Kongress in Dresden. 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