{"id":514,"date":"2017-10-04T13:01:46","date_gmt":"2017-10-04T11:01:46","guid":{"rendered":"http:\/\/nd-blog.de\/?p=514"},"modified":"2017-10-04T13:02:44","modified_gmt":"2017-10-04T11:02:44","slug":"dresden-zukunftskongress-2018-im-schmelztiegel-unterschiedlicher-erinnerungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nd-blog.de\/?p=514","title":{"rendered":"Dresden: Zukunftskongress 2018 im Schmelztiegel unterschiedlicher Erinnerungen"},"content":{"rendered":"<p>ERINNERUNG MACHT ZUKUNFT Der Titel des kommenden ND-Kongresses ist eine Einladung an Kreative: Je f\u00fcr sich genommen, sind die W\u00f6rter des Titels klar abgrenzbar, setzt man sie in Beziehung zueinander, findet man sich unversehens in einem komplexen Geflecht wieder. Einige Beispiele zur Anregung:<\/p>\n<ul>\n<li>Erinnerung macht Zukunft<\/li>\n<li>Die Macht \u00fcber die Erinnerung pr\u00e4gt die Zukunft<\/li>\n<li>Kann man Zukunft aus Erinnerung \u201emachen\u201c?<\/li>\n<li>Wer hat Macht \u00fcber die Erinnerung und die zukunftspr\u00e4genden Bilder?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dresden, im Juni 2017. Erste Sitzung der Programmkommission. Mein Weg <!--more-->vom Hauptbahnhof zum Kathedralforum f\u00fchrt entlang am Kulturpalast, einem Quader aus Beton und Glas aus dem Jahr 1969. Die Gestaltung der Au\u00dfenfassade ist bemerkenswert: Den eher schlichten Bauk\u00f6rper schm\u00fcckt an der Westseite ein 30 mal 10 Meter gro\u00dfes Wandbild mit dem f\u00fcr die DDR typischen Titel Der Weg der roten Fahne. Laut Wikipedia handelt es sich um ein Kunstwerk aus Farbglas auf Betonplatten, die elektrostatisch beschichtet wurden.<\/p>\n<p>Ich kannte dieses Wandbild von fr\u00fcheren Aufenthalten in Dresden her, beim Vor\u00fcbergehen machte ich spontan ein Bild, denn sofort war mir klar, dass die Darstellung eng mit dem Kongressthema zusammenh\u00e4ngt: Der real existierende Sozialismus ist Geschichte \u2013 verschwunden ist er damit aber noch lange nicht! Die auf dem Bild dargestellte revolution\u00e4re Kraft ist \u00e4u\u00dferlich erloschen wie die Tr\u00e4ume vieler Menschen, nach 1949 in der DDR ein besseres Deutschland aufzubauen. Die Zukunft in der DDR hingegen war von Staats wegen klar definiert. \u201eVorw\u00e4rts immer, r\u00fcckw\u00e4rts nimmer!\u201c \u2013 das galt nicht erst, seit Erich Honecker 1989 diese Devise zum gefl\u00fcgelten Wort erhob. Kurz danach trat das f\u00fcr die Staatsdoktrin Undenkbare ein: Die DDR zerbrach und mit ihr auch die von der SED ausge\u00fcbte Deutungsmacht \u00fcber Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die DDR ist nun Geschichte, sie wirkt aber, nicht nur in Relikten alter Herrlichkeit, fort, keineswegs einfach abgehakt, entsorgt, vergessen.<\/p>\n<p>Und heute? Das Wandbild ist immer noch zu sehen, anders als thematisch \u00e4hnliche Werke an anderen Orten, die abgerissen oder zugeh\u00e4ngt wurden. Die Erinnerung an die Zeit der deutschen Teilung, an die Turbulenzen der Wiedervereinigung schmerzen heute immer noch einen nicht unbetr\u00e4chtlichen Teil der Menschen, auch diejenigen, die das Ende der DDR freudig begr\u00fc\u00dft haben. Man kann PEGIDA zu einem Teil mit diesen noch unbew\u00e4ltigten<br \/>\nErfahrungen erkl\u00e4ren. Fassungslos steht der Rest der Republik den Demonstrationen gegen\u00fcber, eine saubere Analyse indes l\u00e4sst auf sich warten.<\/p>\n<p>Dabei reicht ein Blick in die eigene Biografie um zu bemerken, das Vergangenes nachwirkt und sich an Stellen Bahn brechen kann, an denen man am wenigsten damit rechnet. Was Psychologen auf der Ebene des Individuums in diesem Zusammenhang festgestellt haben, gilt ebenso f\u00fcr das kollektive Ged\u00e4chtnis von Gesellschaften \u2013 auch und besonders f\u00fcr die westdeutsche, die sich medial gerne immer mal wieder \u00fcber die vermeintliche Undankbarkeit der Ostdeutschen mokiert. Man k\u00f6nnte es besser wissen (und machen), erinnerte man sich zum Beispiel an die zu Unrecht oftmals bel\u00e4chelten Einsichten der Eheleute Alexander und Margarete Mitscherlich in ihrem Buch Die Unf\u00e4higkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens (M\u00fcnchen: R. Piper &amp; Co. 1967). Geschichte wirkt fort im bewussten Erinnern, aber mindestens ebenso m\u00e4chtig in dem, was wir unbewusst in uns tragen und an unsere Nachkommen weitergeben.<\/p>\n<p>Dresden. Warum ausgerechnet Dresden? Die angesichts der geografischen Randlage im wiedervereinten Deutschland durchaus berechtigte Frage beantwortet sich aus dem oben Dargelegten schnell: Erinnerungsorte gibt es viele in der Bundesrepublik, aber es gibt wohl keinen weiteren Ort, der so intensiv Geschichte atmet: Historische Verbindungen zu Polen und nach B\u00f6hmen im Dreil\u00e4nderdreieck, als Elbflorenz bzw. Florenz des Nordens weltber\u00fchmt, Ort unz\u00e4hliger ber\u00fchmter Museen; bis heute traumatisiert durch den schrecklichen Luftangriff in den letzten Kriegswochen 1945. In der DDR durchaus wegen der reichen Geschichte und seines Flairs beneidet (Ein s\u00e4chsischer Bekannter Mitte der 80er Jahre: \u201eIn Karl-Marx-Stadt wird gearbeitet, in Leipzig Geld verdient, in Dresden wird gelebt.\u201c), dann aber auch wegen des schlechten Empfangs von Westmedien als \u201eTal der Ahnungslosen\u201c verspottet. Heute Touristenmetropole, Wirtschaftszentrum, Universit\u00e4ts- und Landeshauptstadt.<\/p>\n<p>Dresden \u2013 genau in diesem Schmelztiegel unterschiedlichster Erinnerungen, Um- und Aufbr\u00fcche soll der n\u00e4chste ND-Kongress stattfinden. Unser Verband ist zwar in Sachsen wenig bekannt, wir haben jedoch einmal mehr gelernt, dass die Diaspora auch Vorteile hat! Die Christen beider Konfessionen vor Ort sind gut untereinander vernetzt und freuen sich auf uns: Dr. Peter-Paul Straube, Leiter des Bischof-Benno-Hauses in Schmochtitz, dem \u00fcber Sachen hinaus bekannten Bildungshaus des Bistums Dresden-Mei\u00dfen, Dr. Thomas Arnold, Direktor der katholischen Akademie des Bistums, Dr. Joachim Klose, Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sachsen, und Frank Richter, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Stiftung Frauenkirche Dresden, sind an erster Stelle zu nennen.<\/p>\n<p>Kooperationen mit Institutionen vor Ort sind f\u00fcr den Kongress nicht ungew\u00f6hnlich, neu ist im kommenden Jahr die Intensit\u00e4t und das Ausma\u00df. Unser Kongressthema trifft, da sind sich die Genannten sehr sicher, den Nerv einer aufgew\u00fchlten Stadt und ihrer B\u00fcrger in ihrem nicht immer leichten Bem\u00fchen, sich \u00fcber die fernere und n\u00e4here Vergangenheit offen auszutauschen, um die Gegenwart und vor allem Zukunft des Miteinanders gestalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Einen besonderen Kooperationspartner haben wir dem St.-Benno-Gymnasium gefunden: Am Rande der Altstadt gelegen, bietet das architektonisch interessante wie ansprechende Geb\u00e4ude einen idealen Tagungsort f\u00fcr die Hauptveranstaltungen. Auch hier ist man inhaltlich an unserem Vorhaben interessiert und wir sind optimistisch, dass trotz der s\u00e4chsischen Osterferien Teile der Schulgemeinschaft am Kongress teilnehmen werden. Dank des kompakten Schulgeb\u00e4udes wird es ein Kongress der kurzen Wege, denn es bietet auch Platz f\u00fcr das KSJ-Caf\u00e9.<\/p>\n<p>Der F\u00fcnf-Uhr-Tee oder -Kaffee wird auf dem Kongress 2018 der Vergangenheit angeh\u00f6ren! Es bleibt selbstverst\u00e4ndlich bei dem seit Jahren Bew\u00e4hrten: Gottesdienste, Begegnungsm\u00f6glichkeiten, Plenumsveranstaltungen mit hochkar\u00e4tigen Referenten, kleinere Formate zum Nachdenken und Diskutieren; Chor, Orchester, thematische wie touristische Exkursionen, Jugendprogramm. Neu ist das Zeitschema: Um die Stadt\u00f6ffentlichkeit zu gewinnen sollen die Plenumsvortr\u00e4ge ab dem sp\u00e4teren Nachmittag stattfinden und nicht mehr, wie sonst eher \u00fcblich, am Vormittag. Wir nennen das nach f\u00fcnf&#8230;after-work-<br \/>\nVeranstaltungen.<\/p>\n<p>Dresden als Erinnerungsort wird w\u00e4hrend des gesamten Kongresses als thematische Basis und roter Faden pr\u00e4sent sein: Der Kongress findet in und mit Dresden statt. Im Zentrum die Frauenkirche, das nach langen Jahren wiedererrichtete Herz der Stadt. Wir werden es mit ihr intensiv zu tun haben: Wer mag, kann sich in die Touristenstr\u00f6me einreihen und sie besichtigen. Wir wollen die Frauenkirche aber auch in ihrer urspr\u00fcnglichen Bestimmung wahrnehmen und zusammen mit KSG und ESG eben dort eine Abendandacht halten. Beide Studentengemeinden treffen sich regelm\u00e4\u00dfig in der Frauenkirche und wir reihen uns ein. Es d\u00fcrfte in Dresden keinen symboltr\u00e4chtigeren Ort geben, um sich den Fragen von Erinnerung, Macht, Identit\u00e4t und Zukunft zu stellen und diese bewusst vor Gott zu bringen.<\/p>\n<p>Klaus Neumann,<\/p>\n<p>Mitglied in der Programmkommission<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ERINNERUNG MACHT ZUKUNFT Der Titel des kommenden ND-Kongresses ist eine Einladung an Kreative: Je f\u00fcr sich genommen, sind die W\u00f6rter des Titels klar abgrenzbar, setzt man sie in Beziehung zueinander, findet man sich unversehens in einem komplexen Geflecht wieder. 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