{"id":1155,"date":"2020-04-14T12:37:58","date_gmt":"2020-04-14T10:37:58","guid":{"rendered":"http:\/\/nd-blog.de\/?p=1155"},"modified":"2020-04-14T12:40:32","modified_gmt":"2020-04-14T10:40:32","slug":"1155","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nd-blog.de\/?p=1155","title":{"rendered":"Worte zur Corona-Krise 4: Verschw\u00f6rung auf Leben und Tod"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Liebe Freundinnen und Freunde,<\/strong> <strong>Hoffende in unabwendbarer Angst!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das passt nicht zusammen: In der Natur meldet sich der Fr\u00fchling mit seinem sprie\u00dfenden Leben, genie\u00dfen wir eine strahlende Sonne und hell aufleuchtende Tage. Der Gang ins Freie l\u00e4sst sich nicht aufhalten, auch wenn sich die Beschr\u00e4nkungen \u00fcberall bemerkbar machen. Doch ausgerechnet in dieser Jahreszeit ist unsere Gesellschaft in einen Kampf auf Leben und Tod verwickelt. Opfer gelten als unvermeidlich. Am 9. April z\u00e4hlen wir in Deutschland \u00fcber 2100, allein in New York \u00fcber 6200 Tote, von den Todesopfern in anderen Staaten ganz zu schweigen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><span style=\"color:#9c55b1\" class=\"has-inline-color\">1. \u00c4ngste, die unter die Haut gehen<\/span><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Wer zu keiner Risikogruppe geh\u00f6rt, sorgt sich mit erh\u00f6hter Energie um die Herausforderungen des ungew\u00f6hnlichen <em>Alltags<\/em>, das Wohlergehen der Familie und die Sicherheit des Arbeitsplatzes, die gebrechliche Gesundheit ihrer Eltern, vielleicht auch um das Schicksal derer, die in \u00fcberf\u00fcllten Lagern gestrandet sind. Es gibt aber auch weitergehende Ersch\u00fctterungen, die sich jetzt erst anmelden. Viel schlimmere Katastrophen drohen armen und medizinisch schlecht versorgten L\u00e4ndern und alle starren auf das Stottern der \u00d6konomie- und Finanzwelt, dieses gigantischen Supermolochs, der in normalen Tagen die gesamte Menschheit in Atem h\u00e4lt und ihr jetzt m\u00f6glicherweise die Luft abschn\u00fcrt. Rezession lautet das gro\u00dfe Angstwort, das in Wirtschaftszentren und Regierungsvierteln umgeht. Die Verunsicherungen reichen tief.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Unterschwellig nagen diese Fragen an unserem <em>Daseinsgef\u00fchl<\/em>. Wie kann es sein, dass dieses eine Monstervirus, unsichtbar aber allgegenw\u00e4rtig, uns alle in Angst und Schrecken versetzt? Wo bleiben die Erfolge von Wissenschaft und Technik, der Medizin zumal, die unserem Leben doch die letzten Geheimnisse entriss? Wie kann es sein, dass milliardenschwere Konzerne und die ersten Gesundheitskoryph\u00e4en der Welt erst in Jahresfrist ein wirksames Gegenmittel bereitstellen k\u00f6nnen? Hat die Moderne schon je eine vergleichbare Dem\u00fctigung erlebt?<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es gibt noch eine tiefere Schicht, die unsere \u00c4ngste unmittelbar ber\u00fchrt, das ist die Angst vor dem <em>Tod<\/em>, die das Virus verbreitet. Von dieser je pers\u00f6nlichen Todesgefahr geht die Krise aus. Werde ich sterben oder dem Tod von der Schippe springen? Wie viele Opfer wird sich dieser Tod in meiner Kommune, meinem Betrieb, meiner Familie holen? Zu Recht mahnen die Fachleute Geduld und ein n\u00fcchternes Verhalten an, doch als Begr\u00fcndung bieten sie uns nur Exponentialkurven, Zeitma\u00dfe der Verdoppelung, die Fiktion einer Herden-Immunit\u00e4t und andere statistische Gr\u00f6\u00dfen. Sie schaffen aber keine Sicherheit und eine innere Gewissheit f\u00e4llt uns schwerer denn je. Noch fester hat das Virus die Risikogruppen im Griff, zu denen wohl die meisten geh\u00f6ren, die diesen Text lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie geht unsere Gesellschaft, wie gehen die Religionen und wir pers\u00f6nlich damit um? Es ist gut, sich dieser Frage zu stellen, und es liegt nahe, dies gerade in der Karwoche und vor dem Osterfest zu tun.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><span style=\"color:#9c55b1\" class=\"has-inline-color\">2. Der verdr\u00e4ngte Tod<\/span><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Kulturkritiker erkl\u00e4ren schon lange, der Tod sei aus unserer \u00d6ffentlichkeit verschwunden; ich kann diesem Urteil nicht folgen. Die Literatur besch\u00e4ftigt sich mit ihm intensiv, man muss nicht auf <em>Die Pest<\/em> von A. Camus zur\u00fcckgreifen, das wieder zu einem wichtigen Buch geworden ist. Das Interesse an der Aufkl\u00e4rung \u00fcber Sterben und Sterbeerfahrungen ist schon lange gewachsen und die Palliativmedizin gewinnt an Zustimmung. Trotz aller Erfolge ist die Medizin <em>bescheidener<\/em> geworden, da sie nur zu gut um die Risiken und Grenzen ihrer lebensverl\u00e4ngernden Techniken wei\u00df. Mehr Zustimmung als noch vor zehn Jahren findet das Wissen darum, dass den Menschen ein Limit gesetzt ist und Lebensverl\u00e4ngerung nicht unbedingt ein gutes Leben bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Hat der Tod also seine Schrecken verloren? Das gerade nicht, denn es geht nur darum, seine Schrecken zu mildern. Ansonsten haben wir ihn postmodern zum <em>Sonderereignis<\/em> unter anderen Begebenheiten erkl\u00e4rt. Wir ignorieren ihn nicht mehr, aber wir setzen ihn anderen Betriebsunf\u00e4llen gleich und lassen nach wie vor eine abgr\u00fcndige Logik zu: Noch immer sind wir von einem vermeidenden Steigerungstrieb besessen, auf eine konsequente Ablenkung von Krankheit, Schmerz und Tod getrimmt. Diese Todesflucht ist wohl die Stiefschwester des ungez\u00e4hmten Fortschrittsglaubens, der uns seit 250 Jahren im Griff h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine zweite Beobachtung kommt hinzu: In der \u00f6ffentlichen Diskussion haben wir den Tod durch das <em>Sterben<\/em> ersetzt. Zwar kommt kein TV-Krimi ohne mindestens eine Leiche aus; die schleichende Brutalisierung unserer Vorstellungswelt ist offenkundig. Doch ernstere (nennen wir sie \u201evolkserzieherische\u201c) Sendungen besch\u00e4ftigen sich mit dem Sterben, mit begl\u00fcckenden Todeserfahrungen und Berichten, die Hoffnung wecken. Auch dagegen w\u00e4re nichts zu sagen, wenn diese Sterbensneugier in der Regel nicht unsere Konfrontation mit dem wirklichen Ende einfach ersetzen und ausrangieren w\u00fcrde. Dann vergessen wir, dass diese Vor- und Endfragen mit ihren tausend Varianten noch nicht die Frage beantworten: Was geschieht, wenn alles geschehen sein wird? Verd\u00e4mmern wir am Ende in ein Nichts? Fallen wir in die H\u00e4nde Gottes oder eines letzten Sinnsystems? Kommt im Tod einfach unsere Vollendung zum Vorschein, die wir schon immer in uns trugen? Wird uns vielleicht eine gro\u00dfe Vers\u00f6hnung mit dem Leben geschenkt? Gehen wir namenlos ein in die Energiestr\u00f6me der Welt oder ins All-Eine? Tr\u00f6stet uns die Erkl\u00e4rung, dass unsere Liebe gegen\u00fcber Mitmenschen bleiben wird, weil sie immer Spuren in der Welt hinterl\u00e4sst?<\/p>\n\n\n\n<p>Die aktuelle Entschleunigung gibt uns nicht nur die Chance, einmal dar\u00fcber nachzudenken, sondern kann uns auch zeigen, dass das <em>Nachdenken<\/em> \u00fcber den Tod uns und unseren Gemeinschaften gut tut. Da gibt es nichts zu tabuisieren. Dabei wird uns sicher auch klar, dass und warum wir diese Fragen nie restlos beantworten k\u00f6nnen. Sie hinterlassen immer ein Geheimnis, das uns \u00e4ngstigt, begl\u00fcckt oder einfach bescheiden macht. Man muss kein Philosoph oder Mystiker, auch kein frommer Mensch sein, um von diesem Geheimnis einen Zipfel zu erhaschen. Klar ist auch, dass in diesem Geheimnis viele, und das sind nicht die D\u00fcmmsten, Gott erkennen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><span style=\"color:#9c55b1\" class=\"has-inline-color\">3. Verst\u00f6rende Erfahrungen<\/span><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Doch auch solche Nachdenk-\u00dcbungen sind noch zu abgeschirmt, vielleicht b\u00fcrgerlich \u00fcberh\u00f6ht und von abstrakten Reflexionen durchsetzt. Viele von uns tragen einfach ein gro\u00dfes <em>Hoffnungspotential<\/em> in sich; sie vertrauen eben dem Leben, und deshalb auch dem Tod, und ohne diese Grundhoffnung kommt wohl niemand aus. Ich denke an Ernst Bloch, den gro\u00dfen Philosophen der Hoffnung. Er, der sich zugleich Atheist nennt, r\u00e4umt unserem menschlichen Hoffen einen unstillbaren \u00dcberschuss ein und ermuntert uns zum \u201emoderneren Blick forschender Neugier\u201c. Im Tod entdeckt er (den gro\u00dfen Skeptiker M. de Montaigne zitierend) ein \u201egro\u00dfes Vielleicht\u201c f\u00fcrs \u00dcberdauern und appelliert an den Ruf: \u201eAuf ewig werde ich nicht zuschanden werden\u201c (<em>non confundar in aeternum<\/em>), den wir aus der christlichen Tradition kennen, und der vielen von uns schon immer ein gewaltiges Hoffnungspotential vermittelt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch frage ich angesichts der aktuellen Tagesmeldungen, der Hilfeschreie aus italienischen, spanischen und amerikanischen Hospit\u00e4lern: Werden diese Hoffnungsressourcen das aktuelle Massensterben \u00fcberstehen? Die <em>verst\u00f6renden<\/em> Erfahrungen von medizinischer Hilflosigkeit, massenhaftem Dahinsiechen und vereinsamtem Sterben lassen sich nicht mehr verstecken. Das \u00c4rzte- und Pflegepersonal wird in heillose Situationen getrieben. Wenn Betten und Beatmungsger\u00e4te nicht mehr ausreichen, hei\u00dft das Schreckenswort \u201eTriage\u201c. Manche brechen darunter zusammen, weil sie nicht mehr handeln k\u00f6nnen, ohne schuldig zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht verschweigen darf ich die vielen <em>Hinterbliebenen<\/em>, ihren Trennungsschmerz und ihre Klage \u00fcber abrupt beendigte Lebensl\u00e4ufe, die verlassenen Partner und verwaisten Kinder, die nicht einmal mehr Abschied nehmen konnten. Jetzt endlich ist die Zeit, da ihr Schicksal nicht mehr mit Todesanzeige und Leichenschmaus abgetan werden kann, gleich, ob sie am oder mit dem Corona-Virus gestorben sind. Jetzt ist der Augenblick, auch zu erinnern an<br>\u2013 die vielen Mitmenschen, die bislang schon ihren Schmerz \u00fcber die Hingegangenen in sich hineinpressten, weil sie mit niemandem offen reden konnten oder sich ihrer Trauer sch\u00e4mten,<br>\u2013 die Ungez\u00e4hlten, die schon fr\u00fcher erfolglos um das Leben ihrer Angeh\u00f6rigen oder um ihr eigenes Leben bangten, weil die Wellen der Krankheit ihre Lebenskr\u00e4fte \u00fcbersp\u00fclten,<br>\u2013 die Verzweifelten, Resignierten oder Verbitterten, die diesen Verlusten nicht mehr standhalten konnten und<br>\u2013 die vom Schicksal Geschlagenen, die ihr Vertrauen auf das Leben oder ihren Glauben an Gott verloren haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich, ob wir an einen Gott glauben oder nicht, kein einziges der g\u00e4ngigen Gottesbilder wird diese Erfahrungen unbeschadet oder ohne <em>Korrekturen<\/em> \u00fcberstehen, gleich, ob wir von einem Gottesverlust oder einer schmerzlichen Vertiefung unserer Gotteserfahrung reden. Voltaire hat angesichts des Erdbebens von Lissabon (1755 mit Gro\u00dfbrand und Tsunami) das Ende einer jeden Rechtfertigung Gottes verk\u00fcndet und keine vierzig Jahre sp\u00e4ter sprach Kant vom prinzipiellen Misslingen eines solchen Versuchs. Klar muss sein, dass sich solche Katastrophen nicht mit rationalen Argumenten bew\u00e4ltigen lassen. Denn klar ist auch, dass Gott nicht wie ein Allesmacher in seiner Welt herumwerkelt. Wem ein bleibendes Vertrauen dennoch gelingt, der muss wohl aus einer anderen Gotteserfahrung oder aus anderen Quellen sch\u00f6pfen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><span style=\"color:#9c55b1\" class=\"has-inline-color\">4. Im Spannungsbogen von Karfreitag und Ostern<\/span><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die christlich gepr\u00e4gten Tage von Karfreitag bis Ostern erscheinen dieses Jahr in einem ungewohnten Licht. Das kann einer Neuentdeckung der zutiefst menschlichen Ostergeschichte nur gut tun. In der Regel versuchen wir, den <em>Karfreitag<\/em> am Beginn willkommener arbeitsfreier Tage m\u00f6glichst schnell hinter uns zu bringen. Gewiss, an ihm gedenken wir eines der geschichtswirksamsten Justizmorde, aber zielsicher streben wir allj\u00e4hrlich dem strahlenden Osterfest zu, denn dieser \u00fcbermenschliche Triumph l\u00e4sst alles Elend vergessen. Der Tod ist jetzt endg\u00fcltig besiegt, der Kampf ausgestanden, vom Eise befreit sind Strom und B\u00e4che, wir sind am Hafen des Gl\u00fccks gelandet. Schon sehr fr\u00fch wurde die unbesiegbare Sonne zum christlichen Symbol, sp\u00e4ter hing Christus als der sieghaft thronende K\u00f6nig am Kreuz. 1925 f\u00fchrte Pius XI. f\u00fcr seine Kirche das von Selbstbewusstsein strotzende \u201eHochfest unseres Herrn Jesus Christus, des K\u00f6nigs des Weltalls\u201c ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die <em>Jesusgeschichten<\/em> sprechen eine andere Sprache; Jesus ist kein \u00fcbermenschlicher Held, sondern unser verletzlicher Bruder. Nicht nur Jesu Auferstehung, sondern auch sein Tod, nicht nur der Triumph, sondern auch seine Lebensniederlage, nicht nur die Seligpreisungen, sondern auch seine <em>Gottverlassenheit<\/em> geh\u00f6ren zur bleibenden Gegenwart und zum Trost der Ostertage. Urspr\u00fcnglich wollte die christliche Erinnerung keinen Triumph feiern, der allen Untergang vergisst. Es galt vielmehr, beim Tod stehen zu bleiben, seine Grauen zu ertragen, jenen Zustand also, in dem Christus \u2013 als Deutung unserer Lebensschicksale \u2011 in die tiefsten Abgr\u00fcnde der Welt hinabsteigt und sie erst einmal aush\u00e4lt. An diesem Tag des liturgischen <em>shutdown<\/em>, der absoluten Entschleunigung, bleiben zum Beispiel die katholischen Kirchen leer, allen Glockengel\u00e4uts und Schmucks, aller Musik und tr\u00f6stenden Gebete beraubt. Ist es f\u00fcr Christ\/innen nicht angemessen, unsere Krise in diesem Zustand einmal f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit abzubilden?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Ostern sp\u00e4ter dann doch gefeiert werden kann, besch\u00e4ftigen wir uns mit keiner beschreibbaren Tatsache, sondern mit einer h\u00f6chst gewagten Hoffnung, vielleicht mit einem Versprechen. So kommt es etwa dem gro\u00dfen Theologen E. Schillebeeckx nicht darauf an, dass das Grab Christi leer war, sondern dass es ge\u00f6ffnet, also dem Strahl der lebenspendenden Morgensonne ausgesetzt und damit <em>entzaubert<\/em> wird. Erst einmal gilt es, den gewaltigen Spannungsbogen zwischen Tod und enttabuisiertem Neubeginn zu verarbeiten. Diese Aufgabe wurde in den christlichen Kirchen unseres Kulturkreises weitgehend vers\u00e4umt. In der Moderne ist eine Pandemie von Verzweiflung und Vertrauensverlust die Folge.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><span style=\"color:#9c55b1\" class=\"has-inline-color\">5. Gemeinsame Reise<\/span><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Zwei Zusatzbemerkungen k\u00f6nnen diese Behauptung illustrieren. Angesichts der Jesusgeschichte bedeutet Auferstehung keinen pathetischen Triumph, sondern einen opferbereiten <em>Protest und Widerstand<\/em> gegen den Tod. \u201eSt\u00e4rker als der Tod ist die Liebe\u201c (Hld 8,7) lautet die entschlossene Parole, die zu Ostern f\u00fchrt. Ich vermute: Schon zahllose Menschen, gleich ob sie sich gl\u00e4ubig nennen oder nicht, hat ihr Einsatz f\u00fcr hilflose Mitmenschen gegen Todesschrecken immun gemacht, wie umgekehrt Menschen dann zu radikaler Hilfe f\u00e4hig werden, wenn sie einmal ihrem eigenen Tod offen entgegengetreten sind. Zu dieser elementar menschlichen Erfahrung geh\u00f6rt auch der Mut zu einem Alleinsein und einer Leere, in der ich mir nicht mehr ausweichen, sondern mich selbst erfahren kann. Einkehr ist gerade jetzt angesagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Umgekehrt f\u00e4llt auf, dass der christliche Osterglaube als Gemeinschaftsbewegung entstand. Individueller Heroismus muss auch in der Corona-Krise scheitern. Wir sollten zusammenstehen, einander best\u00e4rken, gerade den anderen helfen, die am Straucheln sind, und uns selbst helfen lassen, wenn uns die Kr\u00e4fte verlassen. Diese Macht der Gemeinschaft habe ich in den vergangenen Tagen im Gedicht <em>Gemeinsam<\/em> von Rose Ausl\u00e4nder gefunden, das in einem Leserbrief meiner Tageszeitung auftauchte. Es verleiht dieser urmenschlichen Situation Ausdruck, auf die wir jetzt angewiesen sind:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><span style=\"color:#9c55b1\" class=\"has-inline-color\">Gemeinsam<\/span><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Vergesset nicht<br>Freunde<br>wir reisen gemeinsam<\/p>\n\n\n\n<p>besteigen Berge<br>pfl\u00fccken Himbeeren<br>lassen uns tragen<br>von den vier Winden<\/p>\n\n\n\n<p>Vergesset nicht<br>Es ist unsre<br>Gemeinsame Welt<br>die ungeteilte<br>ach die geteilte<\/p>\n\n\n\n<p>die uns aufbl\u00fchen l\u00e4\u00dft<br>die uns vernichtet<br>diese zerrissene<br>ungeteilte Erde<br>auf der wir<br>gemeinsam reisen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong><em>Hermann H\u00e4ring, Letzte \u00c4nderung: 9. April 2020<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Freundinnen und Freunde, Hoffende in unabwendbarer Angst! 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