{"id":1142,"date":"2020-04-14T10:44:25","date_gmt":"2020-04-14T08:44:25","guid":{"rendered":"http:\/\/nd-blog.de\/?p=1142"},"modified":"2020-04-14T10:44:25","modified_gmt":"2020-04-14T08:44:25","slug":"worte-zur-corona-krise-2-entfesselte-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nd-blog.de\/?p=1142","title":{"rendered":"Worte zur Corona-Krise 2: Entfesselte Zeiten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe Freundinnen und Freunde, Mitgefangene in einer entfesselten Zeit!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer kennt nicht das ber\u00fchmte Wort von Shakespeare: \u201eDie Zeit ist aus den Fugen!\u201c, und wer erinnert sich nicht an die Angstphantasien der apokalyptischen Literatur, da sich die Sonne schwarz, der Mond blutrot f\u00e4rbt, das Himmelszelt zusammenbricht und die Sterne auf die Erde fallen? Auch wir wissen noch nicht, was genau auf uns zukommt und wie lange es andauert. Ein monstr\u00f6ses, aber unsichtbares Unheil rollt auf uns zu und es bedarf gro\u00dfer Anstrengungen, ihm standzuhalten und die aggressiven Energien zu b\u00e4ndigen, zu denen <em>homeoffice <\/em>und <em>homeschooling<\/em>, Gastst\u00e4tten- und Fu\u00dfballverbote f\u00fchren werden und die das Angstpersonal der Schw\u00e4cheren bis ins Ma\u00dflose steigern. In meinem ersten Text habe ich an die innere Gewissheit und unzerst\u00f6rbare Lebenshoffnung appelliert, die in uns stecken. War das nicht zu vollmundig und naiv? Schon dort wollte ich nicht aus-schlie\u00dfen, dass manche von uns \u2013 aus Versagens-, Existenz- oder Todesangst &#8211; die nackte Verzweiflung \u00fcberf\u00e4llt. Ich muss zugeben, auch Gewissheit und Hoffnung fallen nicht von Himmel, denn sie setzen immer schon gute Lebenserfahrungen, gl\u00fcckliche Lebens-entscheidungen und eine entsprechende Lebenspraxis voraus. Deshalb m\u00f6chte ich hier \u00fcber den Lebensraum nachdenken, in dem wir uns, krisengesch\u00fcttelt oder nicht, immer schon bewegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Alles hat seine Zeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht erst seit vier Wochen leben wir ja in einem irritierenden Paradox. Einerseits geh\u00f6rt dieser Lebensraum ganz uns und wir k\u00f6nnen ihn nach unserem Belieben gestalten. Auf den ersten Blick geh\u00f6rt er uns ganz pers\u00f6nlich und es liegt an mir, was ich daraus mache. Diese \u00dcberzeugung geh\u00f6rt zu einem modernen und fortschrittlichen Denken. Anderer-seits konfrontiert er uns schon immer mit ehernen Bedingungen, \u00fcber die wir eben nicht verf\u00fcgen k\u00f6nnen. Genau besehen gibt es da nichts, das wir nicht mit anderen teilen oder von anderen mitgestalten lassen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Hauptproblem: dieser Lebensraum hat nicht immer \u00f6rtliche, aber genaue zeitliche Grenzen. Wir sind Kinder, werden unversehens erwachsen und altern im Laufe der Jahr-zehnte. Zwar sind wir es gewohnt, unsere Zeit in mathematisch abgezirkelten Gr\u00f6\u00dfen zu denken: als Sekunden, Minuten und Stunden, in Arbeits- und Rentenzeit. Dabei \u00fcbersehen wir, dass eine Stunde ganz kurz und eine Minute unendlich lang sein kann. Von Kindheit an erleben wir den rhythmischen Ablauf von Tag und Nacht, von Spiel und Schule, von Jugend und Alter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alles habe seine Stunde, erkl\u00e4rt Kohelet, der vieles aufzuz\u00e4hlen wei\u00df: Pflanzen und J\u00e4ten, Bauen und Niederrei\u00dfen, Weinen und Lachen, Klage und Tanz, Umarmung und deren L\u00f6sung, Verlieren und Finden, Wegwerfen und Behalten, Schweigen und Reden, Lieben und Hassen, Geb\u00e4ren und Sterben. Heute h\u00e4tte er hinzugef\u00fcgt: Familie und Gesellschaft, Arbeit und Freizeit, Heimat und Urlaub, Armut und Reichtum, Privates und \u00d6ffentlichkeit, Gesamtverantwortung und Autonomie. Dabei verl\u00e4uft das normale Leben, das wir so sch\u00e4tzen, in selbstverst\u00e4ndlichen und ausgeglichenen Abl\u00e4ufen. Wir sind gefordert und kommen zur Ruhe, arbeiten hart und erzielen Erfolge, feiern unsere Feste und legen uns wieder ins Zeug, erziehen unsere Kinder und d\u00fcrfen erleben, wie sie zu eigenen Personen heranwachsen. Doch die vergangenen Jahrzehnte sind von einer wachsenden Klage \u00fcber die wachsende Schere zwischen Reichen und Armen, den wohlhabenden Norden und not-leidenden S\u00fcden begleitet; die Globalisierung lie\u00df den Druck auf die Wirtschaft wachsen. Statt einer vern\u00fcnftigen Volkswirtschaft wird <em>just in time <\/em>geliefert. Die Autobahnen sind \u00fcberf\u00fcllt und der Druck auf \u00d6konomie auf die arbeitende Bev\u00f6lkerung steigt st\u00e4ndig. Mit dem st\u00e4ndigen Wirtschaftswachstum nehmen auch die F\u00e4lle von \u00dcberlastung und <em>burnout <\/em>zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aus den Fugen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und was passiert jetzt? \u00dcber Nacht ger\u00e4t unser Zusammenleben aus den Fugen und selbstverst\u00e4ndliche Erwartungen brechen zusammen. Uns wird klar, wie abh\u00e4ngig wir von tausend Bedingungen sind: von unserer Gesundheit, unserem Arbeitsplatz und einer funktionierenden soliden Wirtschaft, gleich, ob ich mich auf der Sonnen- oder Schatten-seite unserer Gesellschaft wei\u00df. Unmerklich legt das Virus alle Schw\u00e4chen blo\u00df, denen wir ausgeliefert sind. Und unserer Politik bleibt nichts anderes \u00fcbrig, als v\u00f6llig irrational zu reagieren. Sie legt das gesamte gesellschaftliche Leben lahm. Schulen und Universit\u00e4ten, viele Gesch\u00e4fte, Gastst\u00e4tten und \u00f6ffentliche \u00c4mter kommen zum Stillstand, B\u00fcroarbeit wird in die Privath\u00e4user verlagert, k\u00f6rperliche Kontakte zwischen Menschen werden unterbunden, der Verkehr kommt zum Erliegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer aber meint, jetzt liege alles still, erliegt einem grandiosen Betrug, denn im Kern l\u00e4sst sich das Leben nicht auf seinen Nullpunkt bringen; das w\u00e4re ja der Tod. Je mehr Wirtschaft, \u00d6ffentlichkeit und physische Kontakte zum Erliegen kommen und viele diese unerwartete Freizeit genie\u00dfen, desto massiver werden viele andere auf Hochtouren gebracht. In den Familien zieht keine Ruhe, sondern oft \u00fcberlastete Hektik ein, denn jetzt sind die Kinder 24 Stunden zu Hause, w\u00e4hrend die Eltern zugleich aufs <em>homeoffice <\/em>verpflichtet sind. Viele Lehrerinnen und Lehrer m\u00fchen sich ab, ihre Anbefohlenen \u00fcber ungewohnte Medien zu unterrichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am schlimmsten sind \u00c4rzteschaft und Pflegepersonal betroffen. Ihnen wird keine freie Stunde geschenkt, vielmehr k\u00e4mpfen sie verzweifelte K\u00e4mpfe gegen die Zeit, oft gegen den Tod, der manche Lebenszeit erbarmungslos abkappt. Je mehr dieser wissenschaftlich gelobte <em>shutdown <\/em>an seine Erfolgsgrenzen st\u00f6\u00dft, umso mehr steigt der Druck auf die Pharmaindustrie. Sie Wieder einmal soll sie die Illusion best\u00e4tigen, wir seien die Herren des Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So f\u00e4llt das Lebens- und Zeitmanagement unserer Gesellschaften in zwei H\u00e4lften auseinander. Wer \u00fcber die massive Entschleunigung des Zusammenlebens wacht, schielt mit Ungeduld auf den Fortgang der Infektionsketten und die Medizinische Wissenschaft, damit sie uns endlich rettet. Und wer sich in hektischen \u00dcberstunden um die Entwicklung von helfenden Medikamenten und Impfstoffen bem\u00fcht, verliert die Geduld mit den Entschleunigern, denn je massiver die Infektionen zur Herden-Immunit\u00e4t f\u00fchren, umso un\u00fcbersichtlicher wird der Kampfplatz. Zeit bleibt eben <em>gemeinsame <\/em>Zeit und wir k\u00f6nnen nicht folgenlos Sequenzen aus unserer Zeitkette herausschneiden, ohne uns alle unter Druck zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So bleiben wir alle Mitgefangene einer zugleich gel\u00e4hmten und entfesselten Zeit. Wir haben den Druck auszuhalten, k\u00f6nnen uns zu keinen mythischen Entlastern fl\u00fcchten, wie es bei mittelalterlichen Pocken- und Pestseuchen noch m\u00f6glich war. Heute vergiften keine Juden unsere Brunnen, verzaubern keine Hexen die Dorfbewohner und schickt kein Gott mehr wohlverdiente S\u00fcndenstrafen. Wenn Bischof Eleganti (Chur) behauptet, mit Weihwasser und geweihten Hostien k\u00f6nne man sich nicht infizieren, rufen ihn selbst seine Mitbisch\u00f6fe zur Ordnung. Stattdessen muss uns heute klarer denn je sein: Wir selbst sind es, die unsere Gesellschaft zu gestalten und die Naturgesetze, auch die l\u00e4stige Welt der Viren in ihrer ganzen Komplexit\u00e4t zu verstehen haben. Wie gehen wir in dieser Krise mit uns und mit unserer Zeit um? Ich m\u00f6chte dazu ein Dreifaches bemerken:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eine Lehre: Gesundheit und Reife<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser Krise erfahren wir: Unser Lebensraum und unsere Lebenszeit sind nie neutrale, uns einfach verf\u00fcgbare Gr\u00f6\u00dfen; gerade zeigen sie uns ihre t\u00fcckische Seite. In normalen Zeiten m\u00f6gen sie Selbst\u00e4ndigkeit suggerieren, lullen oft auch die Frommen unter uns in eine b\u00fcrgerliche Beh\u00e4bigkeit ein. Lebe ich nicht, wie ich mich bette? Kann ich mit meinem Leben nicht tun, was ich will? Viele Kinder haben dieses sch\u00f6ne Gef\u00fchl und f\u00fcr sie ist es auch gut so, auch wenn wir sie schon zur Dankbarkeit anleiten sollten. Jugendliche bestehen oft mit Wut und Protest auf dieser Selbst\u00e4ndigkeit. Dabei sp\u00fcren sie zum ersten Mal, wie sehr diese naive Selbst\u00e4ndigkeit ein Trug ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dagegen ist es, wie mir scheint, ein Zeichen erwachsener Reife, wenn wir ein Gesp\u00fcr entwickeln f\u00fcr die zahllosen inneren und \u00e4u\u00dferen Einschr\u00e4nkungen, die Grenzen und Gef\u00e4hrdungen eines sorglosen Lebens. Eine unschuldig neutrale Zeit, \u00fcber die wir nach Be-lieben verf\u00fcgen k\u00f6nnen, gibt es schlicht nicht, denn wir leben schon immer in Spannungen, in einer Dynamik von Frage und Antwort. Wie Hartmut Rosa erkl\u00e4rt, leben wir immer in einem schwingenden, einem \u201eresonanten\u201c Raum von Mitmenschen und Beziehungen, von sachlichen Zw\u00e4ngen und dem Versuch, diese zu beherrschen, also der Kunst, mit Menschen zu leben und mit Dingen angemessen umzugehen. Dabei haben wir immer zwei Kr\u00e4fte zu aktivieren, Vernunft und Empathie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir lernen, uns in diesem Lebensraum bewusst und konstruktiv zu verhalten, entwickeln wir auch ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr, wie sehr die aktuelle Gesellschaft in eine gef\u00e4hrliche Dynamik geraten ist. Gleich, ob wir von Fortschrittsglauben oder Kapitalismus, der Faszination der Technik oder vom Neoliberalismus, von st\u00e4ndig wachsendem Wohlstand oder der D\u00e4monie der Macht reden, immer geht es darum, dass uns eine unheimliche Dynamik in den Griff genommen hat und ihn in seinen Bann zieht. Sie f\u00fchrte zu den wach-senden Ungleichgewichten zwischen den \u201eweichen\u201c und den \u201eharten\u201c Berufen. Die weichen k\u00fcmmern sich um Menschen, Kinder und Familien, um Erziehung und Gesundheit. Ihre Erfolge lassen sich nicht beschleunigen oder steigern. Die harten k\u00fcmmern sich um Dinge, die Produkte von Industrie und Technik, ihrer wissenschaftlichen und konkreten Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der aktuellen Krise zeigt sich, dass wir die weichen Resonanzr\u00e4ume weiterf\u00fchren und intensivieren m\u00fcssen, denn ohne sie wird Leben zerst\u00f6rt. Sie sind in einem unmittelbaren Sinn lebensnotwendig. Hingegen sind die harten Resonanzr\u00e4ume relativierbar und relativ. Es geht weder um Wissenschafts- noch um Technikfeindlichkeit, sondern um ein ausge-reiftes Gleichwicht, in dem die vitale Basis unseres Zusammenlebens nicht herabgew\u00fcr-digt und vernachl\u00e4ssigt wird. Jetzt endlich wird es Zeit, dar\u00fcber genauer nachzudenken. Nicht nur Individuen, sondern auch eine Gesellschaft kann reifer, humaner und deshalb ges\u00fcnder werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eine Frage: Wer bin ich, wer sind wir?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist ja nicht so, dass unser Ich (nennen wir es Identit\u00e4t, Person oder Seele) zun\u00e4chst in sich, also \u00fcber unseren Resonanzr\u00e4umen steht. Von Anfang an sind wir so intensiv in die-se R\u00e4ume hineinverwoben, dass sie auch immer schon mitbestimmen, wer wir denn sind. Im Laufe unseres Lebens ver\u00e4ndern wir unsere Identit\u00e4t nicht nur, weil wir eben \u00e4lter, erwachsener und erfahrener werden, sondern auch deshalb, weil sich unsere Zeiten und Lebensr\u00e4ume mit allen Risiken und Aufgaben \u00e4ndern, die in ihnen entstehen. Zu unserer Reife (die vor unserem Tod wohl nie ihr Endstadium erreicht) geh\u00f6rt es deshalb, dass wir \u00fcberhaupt einmal zu uns gekommen sind, dass wir es gelernt haben, uns zu verstehen und auszuhalten und mit unseren Lebensfragen umgehen k\u00f6nnen. Zu den Gl\u00fccklichen des Augenblicks geh\u00f6ren wohl diejenigen, die eine innere Stabilit\u00e4t und Widerstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber den unerwarteten Belastungen entwickelt haben, die auf uns zukommen. Ihre Rolle ist wichtiger denn je, denn nur sie werden jetzt Inseln einer neuen Best\u00e4ndigkeit bilden, die auch Empathie und Solidarit\u00e4t auf ihre Umwelt ausstrahlen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch dies gilt jetzt f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Raum und die Gesellschaft, die in den vergangenen Jahren immer nerv\u00f6ser und skandalanf\u00e4lliger wurde. Allerdings ist es nicht so, dass unsere Gesellschaft jetzt aus inneren Gr\u00fcnden auseinandergetrieben wird. Aber sie wird mit einer Belastung konfrontiert, die eine ihrer schlimmsten Schw\u00e4chen offenlegt, ihre Auslieferung an \u00f6konomische Gesetze und ihre schwindende Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die Schw\u00e4cheren. Wir erleben gerade starke Zeichen der Solidarit\u00e4t; man wird sehen, wie lange sie der noch anstehenden Belastung standhalten. Sobald die Krise sich abschw\u00e4cht oder verschwindet, kommen wir nicht darum herum, unsere Identit\u00e4t als Deutsche und Europ\u00e4er, als eine human orientierte und von starken Religionen stark gepr\u00e4gte Gesellschaft neu zu verhandeln. Diese Frage steht schon lange auf der Tagesordnung, drohte aber in primitiven Egoismen, in nationaler und religi\u00f6ser Intoleranz zu verflachen. Jetzt k\u00f6nnen wir neu lernen, an welchen Parametern wir diese Frage auszurichten haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die gro\u00dfe Alternative: Wo geht die Reise hin?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit 2000 Jahren orientiert sich die europ\u00e4ische Kultur \u2013 gleich ob sie sich religi\u00f6s, christlich, humanistisch oder einfach aufgekl\u00e4rt versteht \u2013 an der Zukunft und einem endg\u00fcltigen Ziel. Wir suchen keine ewige Wiederkehr des Gleichen, sondern die Erreichung von Idealen, die C. F. von Weizs\u00e4cker auf eine klassische Formel gebracht hat: \u201eGerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Sch\u00f6pfung.\u201c Werden wir diese Ideale erreichen? Sind sie nicht zu utopisch, um irgendwie realistisch zu sein? Walter Benjamin, der 1940 am erstarkenden Nationalsozialismus verzweifelte, gibt keine ermutigende Antwort. Er entwickelt sie bei der Beschreibung eines Engels, den Paul Klee 1920 gezeichnet hat. Es ist ein Engel, so Benjamin, der mit ge\u00f6ffnetem Mund, weit ausgebreiteten Fl\u00fcgeln und aufgerissenen gro\u00dfen Augen auf eine Vergangenheit blickt, die er vergeblich zu sch\u00fctzen versucht. Er kann es nicht, weil er ohnm\u00e4chtig von einem Sturm immer weiter in die Zukunft geblasen wird: die Zerst\u00f6rung hat die uns sch\u00fctzende Zukunft selbst erfasst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit Jahren trage ich dieses Bild in mir und es konfrontiert mich mit der Frage: Welche Richtung schl\u00e4gt unsere Geschichte ein? Erliegt sie ihren inneren destruktiven Tendenzen oder gelingt eine Wende zum Guten? Diese Wende kann nur von uns Menschen selbst kommen, davon n\u00e4mlich, dass wir endlich erwachsen und uns unserer Verantwortung bewusst werden. Gerade durchlaufen wir eine Schl\u00fcsselepoche, die uns diese Frage so nachdr\u00fccklich wie vielleicht seit 1945 nicht mehr stellt. Es ist die Frage nach einem globalen und lebensf\u00f6rdernden Ethos, das alle Religionen und Weltanschauungen gemeinsam beantworten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><strong><em>Hermann H\u00e4ring, am 27. M\u00e4rz 2020<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Freundinnen und Freunde, Mitgefangene in einer entfesselten Zeit! Wer kennt nicht das ber\u00fchmte Wort von Shakespeare: \u201eDie Zeit ist aus den Fugen!\u201c, und wer erinnert sich nicht an die Angstphantasien der apokalyptischen Literatur, da sich die Sonne schwarz, der Mond blutrot f\u00e4rbt, das Himmelszelt zusammenbricht und die Sterne auf die Erde fallen? Auch wir &hellip; <a href=\"https:\/\/nd-blog.de\/?p=1142\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Worte zur Corona-Krise 2: Entfesselte Zeiten<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":1144,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[23],"tags":[],"class_list":["post-1142","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-leben-mit-corona"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/nd-blog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/rettungsring.jpg?fit=1920%2C1280&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8Nw5X-iq","jetpack-related-posts":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/nd-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1142","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/nd-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/nd-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nd-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nd-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1142"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/nd-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1142\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1143,"href":"https:\/\/nd-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1142\/revisions\/1143"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nd-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1144"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/nd-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1142"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/nd-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1142"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/nd-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1142"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}