Interaktiver ND-Gottesdienst – ein erstes Resümee

Zum ersten interaktiven Emmaus-Gottesdienst des ND am Ostermontag waren 260 Endgeräte eingelogt. Demnach haben rund 500 Menschen, vielleicht auch mehr, gemeinsam mit uns gefeiert. Das ist eine tolle Zahl, weil sie zeigt, dass auch der ND mit Veränderungen und Schwierigkeiten umzugehen weiß. Übrigens waren auch eine ganze Reihe Nicht-ND‘er dabei, davon denen sich einige überrascht und positiv bei uns gemeldet haben.

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Worte zur Corona-Krise 4: Verschwörung auf Leben und Tod

Liebe Freundinnen und Freunde, Hoffende in unabwendbarer Angst!

Das passt nicht zusammen: In der Natur meldet sich der Frühling mit seinem sprießenden Leben, genießen wir eine strahlende Sonne und hell aufleuchtende Tage. Der Gang ins Freie lässt sich nicht aufhalten, auch wenn sich die Beschränkungen überall bemerkbar machen. Doch ausgerechnet in dieser Jahreszeit ist unsere Gesellschaft in einen Kampf auf Leben und Tod verwickelt. Opfer gelten als unvermeidlich. Am 9. April zählen wir in Deutschland über 2100, allein in New York über 6200 Tote, von den Todesopfern in anderen Staaten ganz zu schweigen.

1. Ängste, die unter die Haut gehen

Wer zu keiner Risikogruppe gehört, sorgt sich mit erhöhter Energie um die Herausforderungen des ungewöhnlichen Alltags, das Wohlergehen der Familie und die Sicherheit des Arbeitsplatzes, die gebrechliche Gesundheit ihrer Eltern, vielleicht auch um das Schicksal derer, die in überfüllten Lagern gestrandet sind. Es gibt aber auch weitergehende Erschütterungen, die sich jetzt erst anmelden. Viel schlimmere Katastrophen drohen armen und medizinisch schlecht versorgten Ländern und alle starren auf das Stottern der Ökonomie- und Finanzwelt, dieses gigantischen Supermolochs, der in normalen Tagen die gesamte Menschheit in Atem hält und ihr jetzt möglicherweise die Luft abschnürt. Rezession lautet das große Angstwort, das in Wirtschaftszentren und Regierungsvierteln umgeht. Die Verunsicherungen reichen tief.

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Worte zur Corona-Krise 3: Blockierte Gemeinschaft

Liebe Freundinnen und Freunde, Verbundene in erzwungener Distanz!

In den vorhergehenden Texten habe ich über zwei Schlüsselerfahrungen nachgedacht, die in der Corona-Krise scharf zutage treten, den schwindelerregenden Verlust aller Sicherheit und den verzweifelten Versuch, unsere Zeiträume zum Stillstand zu bringen. Was aber soll dieses tatenlose Nachdenken? Die Infektion wartet nicht, bis wir sie begriffen haben. Inzwischen hat sie alle Kontinente im Griff und zwingt alle Menschen in dieselbe globale Drohkulisse: Globalisierung ist zum Fluch geworden. Zugleich legt sie z.B. in Deutschland uns allen dieselben Lasten auf: die Enge kleiner Wohnungen und ihre Über-forderung als Ersatzschule und Heimbüro zugleich, der Zusammenbruch vieler Alltags-strukturen, die Zunahme von Geschrei und Gewalt, denen Kinder jetzt nicht mehr entrinnen können, ein vielfältiges finanzielles Fiasko und eine dunkle Zukunft, die uns alle ängstigt. Wie kommen wir damit klar? Das alles erfordert Verantwortung, Initiative und entschlossenes Handeln.

Zeichen des Zusammenhalts

Doch von einigen Anlaufschwierigkeiten, etwa den anfänglichen Hamsterkäufen und anfänglichen Corona-Partys einmal abgesehen, ist Erstaunliches zu entdecken: Die Bevölkerung reagiert besonnen, die Politik handelt vernünftig und ohne zu murren nimmt die Industrie schwere Einbußen in Kauf. Ärzteschaft und Pflegepersonal zeigen einen vorbehaltlosen Einsatz. Über Nacht haben sich solidarische Arbeits- und Solidaritätskreise etabliert und Zeichen der gegenseitigen Verbundenheit werden gesetzt. Festnetztelefon und digitale Medien haben Hochkonjunktur. Menschen singen füreinander von Fenstern und Balkonen und die Jüngeren unter uns besorgen für uns Ältere Einkäufe. Die Bekundungen gegenseitiger Dankbarkeit sind, vom Bundestag bis in einfachste Kreise hinein, ebenso groß. Bisweilen nehmen sie einen beschwörenden Unterton an, sind wohl von der Hoffnung getragen, dass dieser Zusammenhalt mehr als ein Strohfeuer sei. Seien wir nämlich realistisch, die Situation ist noch nicht überstanden und die wahren Belastungen stehen uns erst noch bevor.

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Worte zur Corona-Krise 2: Entfesselte Zeiten

Liebe Freundinnen und Freunde, Mitgefangene in einer entfesselten Zeit!

Wer kennt nicht das berühmte Wort von Shakespeare: „Die Zeit ist aus den Fugen!“, und wer erinnert sich nicht an die Angstphantasien der apokalyptischen Literatur, da sich die Sonne schwarz, der Mond blutrot färbt, das Himmelszelt zusammenbricht und die Sterne auf die Erde fallen? Auch wir wissen noch nicht, was genau auf uns zukommt und wie lange es andauert. Ein monströses, aber unsichtbares Unheil rollt auf uns zu und es bedarf großer Anstrengungen, ihm standzuhalten und die aggressiven Energien zu bändigen, zu denen homeoffice und homeschooling, Gaststätten- und Fußballverbote führen werden und die das Angstpersonal der Schwächeren bis ins Maßlose steigern. In meinem ersten Text habe ich an die innere Gewissheit und unzerstörbare Lebenshoffnung appelliert, die in uns stecken. War das nicht zu vollmundig und naiv? Schon dort wollte ich nicht aus-schließen, dass manche von uns – aus Versagens-, Existenz- oder Todesangst – die nackte Verzweiflung überfällt. Ich muss zugeben, auch Gewissheit und Hoffnung fallen nicht von Himmel, denn sie setzen immer schon gute Lebenserfahrungen, glückliche Lebens-entscheidungen und eine entsprechende Lebenspraxis voraus. Deshalb möchte ich hier über den Lebensraum nachdenken, in dem wir uns, krisengeschüttelt oder nicht, immer schon bewegen.

Alles hat seine Zeit

Nicht erst seit vier Wochen leben wir ja in einem irritierenden Paradox. Einerseits gehört dieser Lebensraum ganz uns und wir können ihn nach unserem Belieben gestalten. Auf den ersten Blick gehört er uns ganz persönlich und es liegt an mir, was ich daraus mache. Diese Überzeugung gehört zu einem modernen und fortschrittlichen Denken. Anderer-seits konfrontiert er uns schon immer mit ehernen Bedingungen, über die wir eben nicht verfügen können. Genau besehen gibt es da nichts, das wir nicht mit anderen teilen oder von anderen mitgestalten lassen.

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Worte zur Corona-Krise 1: Verlorene Sicherheiten

Liebe Freundinnen und Freunde, Schwestern und Brüder unseres irdischen Lebens!

Schon freute ich mich auf die Predigt, die ich in einer Stuttgarter Kirchengemeinde hätte halten sollen. Jetzt macht uns der Corona-Virus einen Strich durch die Rechnung, denn das Unmögliche ist eingetreten: selbst für die Fastenzeit, die Karwoche und für Ostern sind die Gottesdienste gestrichen. Ist das seit 1945 je einmal passiert?

Die Sicherheiten schwinden

Dabei waren wir bei der Ankündigung gar nicht so falsch gelegen. Wir hatten schon von einer Welt gesprochen, die keine Sicherheit mehr bietet, einem Klima, das aus den Fugen geraten ist, dem wachsenden Terrorismus und einer zynischen Machtpolitik, die ganze Länder in Angst und Schrecken versetzt. Mehr denn je bricht die Frage auf, worauf wir noch vertrauen können.

Inzwischen ist eine Krise hinzugekommen, vom neuen Corona-Virus verursacht, das uns die Medien wie einen bunt strahlenden Ball präsentieren. Doch es bedroht die biologische Lebensbasis von uns allen, legt die Wirtschaft, die Kultur und das Schulsystem lahm und bringt unser Gesundheitssystem an seine Grenzen. Die italienischen, zu Totentransportern umfunktionierten Militärwagen gehen wohl in unser kollektives Gedächtnis ein. Inzwischen sind ganze Subkontinente und Länder lahmgelegt, viele Sicherheiten unseres Alltags sind uns genommen.

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Worte zur Corona Krise von Hermann Häring

Am 22. April wollte Hermann Häring den Abend der Rottenburg-Tübinger ND-Gruppe gestalten. „Die neue Bedeutung der Mystik als Ausweg aus einem verhärteten Glaubenssystem wäre sein Thema gewesen. Aufgrund der bekannten Situation ist dies nun leider nicht möglich. Soweit die schlechte Nachricht“, schreibt Winfried Schreck, Rottenburg.

„Hermann hat jedoch die „erzwungene Distanz“ dazu genutzt, um sich mit der Corona Pandemie als Theologe eingehend auseinanderzusetzen. Seine von ihm verfassten „Worte zur Corona-Krise“ hat er uns freundlicherweise überlassen.“

Im ND-Blog folgen die Texte als Vierer-Serie: „Verlorene Sicherheiten“, „Entfesselte Zeiten“, „Blockierte Gemeinschaft“ und „Verschwörung auf Leben und Tod“.

Lieber Hermann, Dir hierfür herzlichen Dank. So ermöglichst Du uns wenigstens einen digitalen Gruppenabend. Auch möchte ich es nicht versäumen Euch/Ihnen die Osterwünsche von Hermann und seiner lieben Frau Inge weiterzugeben. Der Programm-Ausschuss schließt sich dem an. Gesegnete Ostern. Ostern fällt auch in diesem Jahr nicht aus, wir feiern es eben nur anders. Und noch eines: Bleibt gesund.

Für den Programmausschuss Winfried Schreck“

Notizen des Wochengeschehens: Post von der Wie-Tante

folgendes trägt mich gewissermaßen durch den Alltag:

da ich mit den Kindern einer Freundin, mit denen ich als „Wie-Tante“ verbundnen bin und um diese Zeit eigentlich oft im Garten spiele oder mit denen zusammen bin, schicke ich den dreien jeden Tag einen Brief. 

Ich schneide beispielsweise die Kinderseite aus der Süddeutschen aus oder drucke einen Witz aus, oder sende einen Witz von unserem Tagesabreißkalender oder schicke zwei Tütchen Ahoi-Brause mit oder Blumensamen. Oder erzähle eine selbsterfundene Geschichte. So bekommen die (fast) täglich Post. Das macht denen, wie ich höre, Freude und mir auch.

Monika Faatz, Köln